"Eure Sicherheit ist in Gefahr"

20. Juni 2002, 18:13
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Mehr als 3000 Exekutiv- beamte demonstrieren gegen die Sparpläne des Innenministers - Strasser versorgt Demonstranten mit Getränken

Wien - Sandalen anstelle der Dienststiefel, Schirmkappe statt Helm. Aus den Lautsprechern tönt Fendrichs "Strada del Sole". Wenn die Exekutive demonstriert, geht es moderat zu. Auch ihre diensthabenden Kollegen sind entspannt. "Hätt' ich nicht Dienst, würde ich mitgehen", sagt ein Bezirksinspektor. Alles laufe ruhig ab - im Amtsdeutsch: "Es sind keine Gewalttätigkeiten zu erwarten."

Etwa 3000 Polizisten und Gendarmen sind am heißen Donnerstagnachmittag vom Bezirkskommissariat Wien- Brigittenau vor das Innenministerium in der Herrengasse gezogen, um gegen die Sparpolitik ihres Vorgesetzten Ernst Strasser zu protestieren.

"Strasser: Lügen - Sparen - Drüberfahren", "Strasser nimmt nicht auf, die Bürger zahlen drauf" oder "Sicherheit hat ihren Preis, auf Strasser sind wir heiß" stand auf zahlreichen Transparenten zu lesen. Aber auch: "Österreicher, Eure Sicherheit ist in Gefahr". Demonstranten fanden sich aus fast allen Bundesländern ein. Zwei Busse sind aus Kärnten und Salzburg angereist, jeweils einer aus dem Burgenland, der Steiermark und aus Oberösterreich.

"Wien ist erst der Anfang, jetzt kommen die Länder dran", meint ein Kriminalbeamter. Er ist extra aus Villach gekommen: "Gespart wird immer, aber jetzt ist Schluss." Sein Fazit: "Wir können die Kriminalität nur verwalten, aber nicht mehr bekämpfen."

"Wenn es überall bergab geht, muss man was tun." So erklärt ein Exekutivbeamter der Wiener Funkstelle seine Teilnahme an der Demo.

Friedlicher Abschluss nach lautstarkem Pfeifkonzert

Die Protestdemonstration ging nach einer einstündigen Abschlusskundgebung mit teils lautstarkem Pfeifkonzert und Buhrufen um 17.00 Uhr friedlich zu Ende. Insgesamt hatten sich zwischen 3.000 bis 4.000 Exekutivbeamte an der Kundgebung, die sich gegen die Personal- und Sparpläne Strassers richtete, beteiligt. Der Innenminister selbst hatte den Demonstranten angesichts der tropischen Hitze Getränke gebracht, sich aber angesichts der nicht enden wollenden Protestrufe relativ rasch wieder in sein Ministerium zurück gezogen.

Dem Protestmarsch hatten sich auch die ehemaligen Innenminister Karl Blecha, Erwin Lanc und Caspar Einem anschlossen. Vor dem Ministerium wurde dann gegen den Personalabbau, gegen die Schließung von Gendarmerieposten, die Umstrukturierung im Innenressort und gegen die Polizeireform in Wien gewettert.

Gegen 17.00 Uhr ging die Demonstration nach dem Abspielen der österreichischen Bundeshymne friedlich zu Ende.
(red/Peter Mayr/Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 21.6.2002)

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