Schuldenabbau bei Vivendi

18. Juni 2002, 16:41
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Reduzierung der Beteiligung an Vivendi Environnement beschlossen - Mehrheit der Wassersparte wird abgegeben

Paris - Der unter Milliarden-Schulden ächzende Pariser Mischkonzern Vivendi Universal (VU) will die Mehrheit an seiner Wassersparte Vivendi Environnement (VE) aufgeben. Der VE-Anteil werde von 63 auf gut 40 Prozent heruntergefahren und Vivendi Universal dabei zwölf Prozent an französische Banken abtreten, teilten Konzern-Mitarbeiter am Dienstag mit. Pariser Börsenmakler erwarteten, dass das Geschäft noch vor Ende Juli über die Bühne geht.

Damit könnte Vivendi-Chef Jean-Marie Messier den Schuldenstand von 30 Mrd. Euro um rund 1,7 Mrd. Euro drosseln. Darüber hinaus will er politischen Forderungen nachkommen, die Anteilsmehrheit an VE in inländischer Hand zu halten. Vivendi Environnement ist in 8.000 französischen Kommunen für die Wasserversorgung zuständig.

Umschichtung genehmigt

Vivendi wird nach eigenen Angaben ein Aktienpaket von 15 Prozent an VE abstoßen. Zudem ist eine Kapitalerhöhung bei VE um 1,5 Mrd. Euro vorgesehen. Die Umschichtungen wurden am Montag von der Firmenspitze des französisch-amerikanischen Mischkonzerns genehmigt. Vivendi Universal, dessen Anteilsscheine auch an der New Yorker Börse gehandelt werden, muss nach den Bestimmungen der Börsenaufsicht die Schulden von VU und VE entflechten. Die Notierungen von VU und VE stiegen am Dienstag gegen den Börsentrend leicht an und lagen am frühen Nachmittag bei 32,85 Euro für VE und bei 30,11 Euro für VU.

Wasserversorgung ist die einstige Kernsparte von Vivendi. Die ehemalige Compagnie Generale des Eaux (CGE) schaltete sich 1983 zunächst in die Telekommunikation ein und entwickelte sich in den neunziger Jahren zu einem der größten Medienkonzerne der Welt. Das Abstoßen der VE-Anteile solle erfolgen, "sobald die Marktbedingungen es zulassen werden", erklärte Vivendi unter Verweis auf die derzeit allgemein schwache Börsenlage.

Die Sorge, VE könne bei einer Umschichtung des Kapitals unter ausländische Kontrolle geraten, wurde von vielen Kommunen, vor den Parlamentswahlen aber auch von Präsident Jacques Chirac geäußert. Nach Informationen der Pariser Wirtschaftspresse sollen zwölf Prozent von VE noch vor Ende Juli an die Societe Generale, die Caisse des Depots et Consignations und BNP Paribas verkauft werden. Die Banken wollten dazu nicht Stellung nehmen.

Größter Wasserkonzern der Welt

Vivendi Water Environment ist nach eigenen Angaben der größte Wasser-Konzern der Welt. In Deutschland ist Vivendi Water in einem Konsortium mit der deutschen RWE und dem Münchener Versicherungskonzern Allianz zu 49,9 Prozent an den Berliner Wasserbetrieben beteiligt, einem der größten Wasserver- und -entsorger der deutschen Republik. Mit 50,1 Prozent hält das Land Berlin dort die Mehrheit. 2001 erwirtschaftete VE bei einem Umsatz von 26,8 Mrd. Euro einen Verlust 2,25 Mrd. Euro. (APA)

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