Peking und Seoul sprechen über Botschaftsflüchtlinge

18. Juni 2002, 15:15
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Außenministertreffen in Thailand geplant

Peking - China und Südkorea werden bei einem Treffen ihrer Außenminister in Thailand über dias Problem der nordkoreanischen Flüchtlinge in diplomatischen Einrichtungen in Peking sprechen. Nach der neuen Botschaftsflucht von zwei Frauen in Südkoreas Konsulat harren dort 20 Nordkoreaner aus, während zwei Flüchtlinge in Kanadas Botschaft sitzen und auf eine Ausreise warten. Der chinesische Außenminister Tang Jiaxuan und sein südkoreanischer Kollege Choi Sung Hong werden im thailändischen Ort Cha-Am am Rande des ersten asiatischen Kooperations-Dialogs (ACD) zusammentreffen, der am Dienstagnachmittag begann. Der Sprecher des Außenministeriums in Peking, Liu Jianchao, teilte mit, beide Länder hätten Kontakt und "bemühen sich, das Problem zu lösen".

Die gewaltsame Festnahme eines Nordkoreaners, den chinesische Wachen aus dem Konsulat herausgeholt hatten, hatte zu einer schweren Verstimmung zwischen den beiden Ländern geführt. Diplomaten hatten versucht, die Festnahme zu verhindern, wurden aber von der Polizei gewaltsam beiseite gestoßen, wobei einer verletzt wurde. Der chinesische Botschafter Li Bin war Ende voriger Woche in das Außenministerium in Seoul zitiert worden. Der stellvertretende Außenminister Kim Hang Kyung verlangte die Überstellung des festgenommenen Nordkoreaners. Außerdem fordert Seoul eine offizielle Entschuldigung von China wegen des Eindringens chinesischer Wachsoldaten auf das Botschaftsgelände.

Protest

Südkorea protestierte gegen den flagranten Verstoß gegen die Wiener Konvention von 1961 über die Unantastbarkeit diplomatischer Vertretungen. Wie ein Sprecher des Außenministeriums in Peking erklärte, sei eine "Anweisung" an alle ausländischen diplomatischen Einrichtungen gegangen, etwaige nordkoreanische Botschaftsflüchtlinge den chinesischen Behörden zu übergeben.

China hat seit März 38 nordkoreanischen Botschaftsflüchtlingen die Ausreise erlaubt. Jetzt fordert Peking aber die Übergabe von Flüchtlingen an die Behörden und sagt nur zu, die Fälle nach internationalem und chinesischem Recht und in einem "humanitären Geist" lösen zu wollen. In China leben nach Schätzungen mehr als 150 000 Nordkoreaner im Untergrund, die vor Hunger und Verfolgung geflüchtet sind. China erkennt sie nicht als Flüchtlinge an und schiebt sie bei einer Ergreifung nach Nordkorea ab, wo ihnen Haft und strenge Strafen drohen.

Die Festnahme nordkoreanischer Flüchtlinge im japanischen Konsulat in Shenyang in Nordostchina hatte schwere diplomatische Spannungen zwischen China und Japan ausgelöst. Der chinesische Botschafter in Tokio wurde ins Außenministerium zitiert. (APA/dpa)

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