Bewährungsstrafen für Anschlag auf Ausländerheim in Rostock

18. Juni 2002, 10:27
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Zehn Jahre nach den ausländerfeindlichen Krawallen, die von tausenden Schaulustigen bejubelt wurden

Schwerin - Zehn Jahre nach den fremdenfeindlichen Ausschreitungen im Rostocker Viertel Lichtenhagen hat das Landgericht Schwerin drei Beteiligte zu Bewährungsstrafen zwischen zwölf und 18 Monaten verurteilt. Das Gericht befand die zwischen 27 und 29 Jahre alten Männer am Montag des versuchten Mordes in Tateinheit mit schwerer Brandstiftung für schuldig. Die Strafen wurden für zwei Jahre auf Bewährung ausgesetzt.

Der Richter sagte in seiner Urteilsbegründung, bei den Verurteilten handle es sich keineswegs um die Haupttäter des Brandanschlags auf das Asylbewerberheim. Nach Überzeugung des Gerichts hatten sich die Angeklagten daran beteiligt, Brandsätze auf das Gebäude zu werfen, in dem sich etwa 100 Ausländer und der Rostocker Ausländerbeauftragte Wolfgang Richter aufgehalten hatten. Sie konnten sich über das Dach vor den Flammen in Sicherheit bringen.

Begleitet vom Beifall tausender Schaulustiger sollen die Angeklagten am 24. August 1992 aus einer Menge von 400 gewaltbereiten Jugendlichen heraus Brandsätze geworfen haben. Die Polizei wurde später wegen ihres passiven Verhaltens massiv kritisiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte je 18 Monate Haft gefordert, aber nur bei zwei Angeklagten zur Bewährung. Die Verteidiger hatten wegen fehlender Schuldbeweise Freisprüche gefordert. (APA/Reuters/dpa)

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