Markus Müller, Schwimmer mit klarer (Aus)richtung

17. Juni 2002, 19:26
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"Es ist primär nicht mein Verdienst", sagt Markus Müller. Der gebürtige Kärntner wurde kürzlich zum Chef der Klinik für Klinische Pharmakologie am Wiener AKH designiert. Und leitet damit als 34-Jähriger die wissenschaftlich produktivste Einrichtung der gesamten Medizinfakultät - Mitarbeiterstab: rund 100 Leute.

Aufgebaut hat die Abteilung Hans-Georg Eichler, der - und das ist der Zufall - Anfang August von sich aus die Leitung an Stellvertreter Müller übergibt und in die USA wechselt.

Aber hinaufgefallen ist Müller trotzdem nicht - da ist schon Eichlers leistungsorientierter Abteilungsgeist vor: "Mitschwimmen funktioniert nicht", charakterisiert Markus Müller das Klima. Und nennt zum Beleg die Aufteilung des Budgets nach Leistungskriterien wie dem Impact von Publikationen oder den aufgetriebenen Fondsgeldern. "Du musst schwimmen. Und wenn du schwimmst, bekommst du Support."

Ins Wasser gestoßen zu werden ist Müller nicht fremd. Jahrelang ließ er sich das von der Fliehkraft gefallen. Und brachte es so in den 80ern sogar zum Junioren-Vize-Staatsmeister im Wasserski.

Das war im Slalom. Und kurvenreich, aber auf Kurs ging es auch nach dem Studium weiter: Der Sub-auspiciis-Mediziner kurvte nach Forschungsaufenthalten im Ausland "als junger Hungriger" zunächst von einer Abteilung im AKH in die andere. Noch heute widmet er sich, zwar nicht im gleichen Umfang wie der Forschung, aber doch auch, der "Medizin pur" - in der Notfallklinik.

"Bei den Nachtdiensten müssen wir uns schon sehr gut koordinieren", sagt der Vater eines Zweijährigen und spielt auf den Beruf seiner Frau an: Ärztin mit Nachtdiensten . . . Bevor sie zueinander fanden, "waren 100-Stunden-Wochen die Regel", berichtet er.

"Wenn meine Familie zugrunde geht und ich mir eine neue Therapie auf die Fahnen heften kann, hätte ich versagt", hat der Internist klare Prioritäten. Und hätte dennoch gute Chancen, mit einem Forschungsbereich noch bekannter zu werden: mit Biosensoren, die das Messen von Wirkstoffkonzentrationen in Geweben verschiedener Organe revolutionär verbessern. "Ein Thema mit breiter Relevanz, das ich entdeckt habe", sagt Müller ohne falsche Bescheidenheit: "So werde ich auch international gesehen."

Keine Übertreibung: Als der Erwin-Schrödinger-Stipendiat im Vorjahr gerade in Gainesville, Florida, wirkt, bittet ihn niemand Geringerer als die einflussreiche Zulassungsbehörde Food and Drug Administration, doch seine Sensorentechnik als Visiting Professor zu präsentieren.

Hat der Mann dann noch Ziele? "Eine Ordination würde mir Spaß machen. Aber eine Entscheidung dafür wäre eine gegen die Familie." (Roland Schönbauer /DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18. 6. 2002)

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