Falschgeld und Bankomat

17. Juni 2002, 19:21
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Wienerin soll falsche Scheine aus Geldautomaten bekommen haben

Wien - Christine Mitrovic schwört. Auch auf einen Hunderter. Wenn er echt ist. "Die Scheine", betont die Wienerin eins ums andere Mal, "waren aus dem Bankomaten. Ich hatte keine anderen 100-Euro-Noten bei mir."

Genau genommen hatte Frau Mitrovic auch nachdem sie vergangenen Donnerstag gegen Mittag beim Geldausgabeautomaten im Foyer der Raiffeisen Landesbank in der Breitenfurter Straße 400 Euro abgehoben hatte, nur einen 100-Euro Schein und zehn 10-Euro-Noten im Börsel: Zwei weitere 100-Euro-Banknoten waren nämlich falsch: Farblich wichen sie ein wenig vom Grün der echten Scheine ab - und das Hologram war aufgeklebt. Aber das stellte Christine Mitrovic alles erst später fest, erklärt sie im Gespräch mit dem STANDARD "Wenn ich Geld vom Bankomaten bekomme, verlasse ich mich doch drauf, dass es echt ist."

Was zu tun ist, wenn Geld keines ist, war der Wienerin klar: Unmittelbar nach der Entdeckung des Falschgeldes - gegen 19 Uhr -, erstattete sie bei der Polizei in Wien Gumpendorf Anzeige. "Die Beamten haben sofort bei der Hotline für Bankomaten angerufen, um dort Bescheid zu geben."

Am nächsten Tag suchte sie gegen 14 Uhr die Raika in der Breitenfurter Straße auf. Auch, um sich zu erkundigen, wer ihr den Schaden denn ersetzen werde. "Wenn ich mir in einem Geschäft Falschgeld andrehen lasse, bin ich selber Schuld - bei einem Bankomaten habe ich aber keine Möglichkeit, das Geld zurückzuweisen." Bloß: In der Bank war man ahnungslos. "Die sind aus allen Wolken gefallen - der Bankomat war weiter in Betrieb."

Guter Ruf, gutes Geld

In der betroffenen Bankfililale bestätigt man gegenüber dem STANDARD Mitrovics Darstellung. Seitens der Bankomathotline habe man keine Informationen erhalten, dass mit dem Automaten etwas nicht stimmen könne. Dass die Maschine Falschgeld ausspucke, könne er sich theoretisch sogar vorstellen, erklärt der für den Bankomaten zuständige Sachbearbeiter: "Ich bekomme das Geld verschweißt geliefert, zähle es nach und lege es in den bankomaten - die Zeit, es zu prüfen, habe ich nicht."

In der Praxis, so der Bankbeamte, sähe er auch keinen Grund an der Echtheit der Noten zu zweifeln: Das Geld kommt schließlich von der "Geld Service Austria" (GSA) - einer Tochter der Österreichischen Nationalbank.

Ebendort, bei der GSA, betont man vehement, dass der gute Ruf der von der Nationalbank via GSA verteilten Geldscheine nicht von ungefähr komme: "Dass unsere Sortiermaschinen einen gefälschten Schein übersehen oder durchrutschen lassen" erklärt GSA-Bereichsleiter Hubert Haunold, "ist absolut auszuschließen. Und es kommt nur Geld in den Verkehr, das von unseren extrem sensibel und nach den Sicherheitsvorgaben der EZB genormten Maschinen als 100-prozentig echt akzeptiert wird." Man werde, so Haunold, sich die bei der Polizei abgelieferten Falsifikate aber selbstverständlich sehr genau ansehen.

Wie Christine Mitrovic aber an zwei falsche 100-Euro-Scheine gekommen sein kann, kann auch er nicht erklären. Nicht zuletzt, weil Frau Mitrovic schwört, das Geld aus dem Bankomaten zu haben. (DER STANDARD, Print, 18.6.2002)

Thomas Rottenberg
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