Noch mehr Informatik

17. Juni 2002, 19:19
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Schulreformen: EDV, Autonomie, Integration

Wien - Mehrere Schulgesetze sollen heute, Dienstag, im Ministerrat beschlossen werden. Weitgehend unbestritten ist, dass in der AHS-Oberstufe etwas mehr Autonomie bei der Lehrplangestaltung geschaffen wird, auch wenn SP-Wissenschaftssprecher Erwin Niederwieser diese Reform eher "bescheiden" findet. Er kritisiert insgesamt, dass mit seiner Partei über die Schulgesetze nicht ausreichend verhandelt wurde.

Widerstand der Behindertenverbände gibt es gegen den Plan der Bildungsministerin, die Integration geistig behinderter Kinder auf die neunte Schulstufe - allerdings nur für den Polytechnischen Lehrgang - auszuweiten und damit gleichzeitig zu beenden. SP-Behindertensprecherin Christine Lapp findet das "rückschrittlich". Das Bildungsressort rechtfertigt sich: Es gehe darum, geistig Behinderte ins Leben "hineinzubegleiten", wofür das Polytechnikum gut geeignet sei.

Nur einzelne kritische Stimmen wurden zur Ausweitung des Informatikunterrichts laut: Er soll ab 2004 bereits in der ersten Klasse Hauptschule und AHS stattfinden. Dafür wird eine von fünf Wochenstunden Deutsch gestrichen. Gerald Rainer, Leiter der Arbeitsgemeinschaft Deutsch für das Bundesland Oberösterreich, meint dazu: "Das Beherrschen der Informationsrecherche alleine ist eine rein formale Angelegenheit." Ziel müsse es sein, die Informationen sachgerecht bewerten zu können. Österreich habe - zynisch gesprochen - in der OECD-Lesestudie wohl "zu gut" abgeschnitten, dass man es sich leisten könne, bei Deutsch zu kürzen. (mon/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

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