Behinderte sehen neue Hürden

17. Juni 2002, 19:16
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Kostenbegünstigung Werkprämie fällt weg - Lohnsubvention unklar

Wien - Sie tapezieren, leimen, fräsen, bügeln, schneidern, kochen: Rund 250 Behinderte arbeiten bei "Wien Work", dem Unternehmen, das als vormals "geschützte Werkstätte" kleine Aufträge von anderen Unternehmen als Subunternehmer übernimmt. Wenn Firmen Aufträge an Wien Work oder andere integrative Betriebe vergeben, bekommen sie als so genannte Werkprämie 15 Prozent der Auftragssumme vom Bundessozialamt rückerstattet. So war es bisher. Mit der laufenden Bundessozialämterreform wird diese Werkprämie nun ab dem kommenden Jahr gestrichen.

Wolfgang Sperl, Geschäftsführer von Wien Work, fürchtet damit um Aufträge: "Mit der 15-prozentigen Werkprämie fällt ein wesentliches Marketinginstrument für uns weg. Die Werkprämie war ein Zuckerl, um Aufträge für Behinderte zu bekommen." Das Ministerium habe zwar zugesagt, einen Ersatz zu schaffen, aber keine Details genannt.

Elisabeth Ziegler aus dem Sozialministerium meint dazu, dass der bisherigen Werkprämie mit der Sozialämterreform Förderungen folgen werden. Denn: "Wir wollen ja, dass die Arbeitsplätze bleiben." Das beruhigt Sperl nicht wirklich: "Die Werkprämie war Gesetz. Förderungen können hingegen jährlich gestrichen werden." SPÖ-Behindertensprecherin Christine Lapp assistiert: Auch sie fürchtet "neue Hürden" für Behinderte.

Neben der Werkprämie kritisiert Sperl noch eine andere Auswirkung der Sozialämterreform: Bisher zahlten Bundessozialamt und Bundesländer Zuschüsse zu den Lohnkosten der Behinderten. Künftig soll nur mehr das Sozialamt Zuschüsse zahlen, die Länder aber nicht mehr - wodurch Sperl massive finanzielle Einbußen fürchtet.

Diese könnten geringer sein - wenn der Bund sich nicht mit öffentlichen Aufträgen an integrative Betriebe so zurückhielte, meint Sperl: "Wir sortieren nur den Mutter-Kind-Pass. Sonst haben wir keine Aufträge vom Bund. Dabei gäbe es die Möglichkeit, soziale Kriterien bei der Ausschreibung einzubauen." (eli/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

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