EDV ist wichtig, oder?

17. Juni 2002, 19:32
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Ein Kommentar von Martina Salomon

Schulpolitik liegt meist in den Händen älterer Herrschaften. Sehr vielen davon ist dieses neumodische elektronische Kommunikationszeug ein wenig fremd, wenn nicht gar suspekt. Weil sie mit den als wichtig erachteten Techniken selbst nur schlecht umgehen können, halten sie einen flächendeckenden Informatikunterricht für superwichtig. Nun soll (beginnend mit dem Schuljahr 2004) ab der ersten Klasse der AHS-Unterstufe eine Stunde Informations- und Kommunikations- technologie eine Stunde Deutsch verdrängen. Und das, obwohl die Kids den Computer meist besser als ihre Eltern, ja, häufig auch besser als ihre Lehrer beherrschen. Für die Jungen ist er kein Mysterium, sondern schlichtes Arbeitsgerät, dem man sich längst spielerisch angenähert hat. Schließlich ist es für Erwachsene auch nötig, Auto fahren zu können, und niemand käme deshalb auf die Idee, Fahrkurse auf den Lehrplan zu setzen.

Abgesehen davon ist Informatik Pflichtfach in der Oberstufe, es wird in den meisten Schulen in der Unterstufe und sogar in vielen Volksschulen als unverbindliche Übung angeboten - das heißt, es existieren genügend Angebote für Kinder aus sozial benachteiligten Familien, die es sich nicht leisten können, daheim im Internet zu surfen.

Wobei auch nicht ganz einzusehen ist, dass sich alle flächendeckend zu kleinen Spezialisten ausbilden lassen müssen, bloß weil die neuen Techniken noch immer nicht so ausgereift sind, dass sie klaglos funktionieren. Bis das so weit ist, haben wir viele Fachleute - aber immer weniger, die dieses Wissen auch richtig kommunizieren können. Denn wenn schon bei heimischen Schülern ein Nachholbedarf feststellbar ist, dann in sprachlichen Selbstdarstellungs- und Präsentationstechniken - ein klarer Fall für den Deutschunterricht, der jetzt gekürzt wird. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)


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