Die Laune ist ein seltsames Spiel

18. Juni 2002, 19:43
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"Carmen" im Rabenhof im Rahmen von "Wien ist anders rum"

Trash kennt keinen Boden. Tiefer ging es bisher noch immer. "The Gablitzers" konnten noch jeden Müll verwerten. Mit "Geierwally" und "Sissi - Beuteljahre einer Kaiserin" hat das niederösterreichische Trash-Ensemble bei vergangenen "Wien ist andersrum"-Ausgaben schon die Gemüter erhitzt. Und mit einem kraftvollen "Hauruck!" ziehen sie diesmal ein nicht nur dem Opernpublikum bekanntes Sujet durch den Dreck: Während geschulte Kennerohren dem Fabriksarbeiterkind Carmen vor allem die leidenschaftlichen Töne Georges Bizets abhorchen, tunkt Walter Bockmayer die spanische Prolostudie in deftigen Wiener Praterkitsch: Carmen ist die tollste Katz' vom Praterstrich, ihr Angehimmelter ist in dieser Version ein bleicher Tormann namens Toni Tuchent.

Die Hispanismo-Rhythmen vergröbert Markus Richter (musikalischer Leiter und tragender Schauspieler der "Gablitzers") mit einschlägigen Schlagermelodien zum großteils billigen Trashical: "Hoppala, hoppala" von Jazz Gitti, "É viva Espana", "Jailhouse Rock", "Sperrbezirk" der Spider Murphy Gang oder einem Schlager namens "Micaela". Da muss jeder mit!

Die Handlung zerfällt in unzählige, schulchoreografisch einstudierte Gesangseinlagen, die das ohnehin pausenlos animierte Publikum ("Welle!") zusätzlich bei Laune halten. Mitmachen ist Pflicht, sonst kommt die Polizei! Sofern diese ihre scharfen Äuglein von den Animierdamen abwenden kann! Hoppala. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

Service

Rabenhof Theater
Rabengasse 3
01/712 82 82
96 0 96
21./22. 6.
20 Uhr

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