Sweet Charity mit Schmiss und Schwung

17. Juni 2002, 20:25
posten

Philharmoniker: "Konzert für Österreich"

Wien - Was Udo Jürgens im vergangenen Jahr durfte, dürfen die Wiener Philharmoniker schon lange: sich nämlich mit einem Konzert in der Wiener Staatsoper für eine gute Sache präsentieren. Zum Konzert für Österreich, das am Sonntag zeitversetzt als Open-Air-Ereignis am Stephansplatz und im Fernsehen ausgestrahlt wurde, waren rund 600 Ehrengäste aus sozialen und karitativen Berufen geladen. Ein Dankeschön an die Menschen an der Basis des Miteinanders. Auch für die Kaufkarten wurde ein eher symbolischer Preis verlangt.

Seiji Ozawa, ab kommender Saison Musikdirektor der Wiener Staatsoper, schien mit seiner Programmauswahl ebenfalls an Österreichs Arbeit an der musikalischen Basis erinnern zu wollen: an eine jahrhundertealte Liebe zu ihr einerseits und andererseits daran, die besten Komponisten hier integriert zu haben. Und die stammten, zumindest was diesen Abend anbelangte, großteils aus den Kronländern der ehemaligen Monarchie.

Im Zentrum des ersten Teils stand die Rumänische Rhapsodie op. 11, Nr. 1 von George Enescu, mitreißend und dramatisch. Ungarische Tänze von Johannes Brahms und ein Slawischer Tanz von Antonín Dvorák waren vorausgegangen. Nach der Pause machten die vortrefflich disponierten Philharmoniker Station bei Ludwig van Beethoven (Leonoren-Ouvertüre Nr. 3) und Franz Schubert (Unvollendete), wobei schon hier zu bemerken war, dass und wie sich alles - ein riesiger Sog - Richtung Dreivierteltakt bewegte.

Dance diabolique von Joseph Hellmesberger, erst im vergangenen Neujahrskonzert wiederentdeckt, wurde wie auch Strauß' Morgenblätter-Walzer mit Schmiss und Schwung präsentiert. Es wäre erfreulich, wenn sich das Gerücht bestätigte, dass nun im Jahresabstand Konzerte für Österreich stattfinden. (STANDARD-Mitarbeiterin Beate Hennenberg/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

Share if you care.