Mozart und Mahler mit Levine: Viel Lärm um nichts

17. Juni 2002, 20:07
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Münchner Philharmoniker im Musikverein

Wien - 126 Jahre liegen zwischen den beiden Werken:
1780 komponierte Wolfgang Amadeus Mozart die C-Dur-Symphonie KV 338, 1906 stellte Gustav Mahler seine Symphonie Nr. 6 in a-Moll fertig. Mozarts Werk ist ein reines, schlackenloses, durchsichtiges Konzentrat; Tändelei, Galanterie und Vitalität des Rokoko in klarster Form. Mahlers hypertrophes symphonisches Gewächs könnte man als desperate Odyssee auf den Meeren der emotionalen Welt-Fassung beschreiben, bei der alle Wetter durchlebt, alle Klimazonen durchschifft werden, um den Kahn am Ende resignierend, mit großem Tamtam absaufen zu lassen.

Mozart fasst seine Zeit wie von selbst und mit spielerischer Leichtigkeit in Musik, bei Mahler hat man das Gefühl, er wollte mit Gewalt noch einmal alles einen, die Welt ein letztes Mal in eine große Form zwingen: Volkes Stimme und Gottesgedanke, Naturgewalt und Kunstherrlichkeit, das Einzelne und die große Ordnung der Dinge. Mozart will auf den ersten Blick nichts und sagt doch alles, Mahler möchte von allem sprechen und verquasselt sich damit letzten Endes ziemlich.

James Levine kam also mit seinen Münchner Philharmonikern in den Musikverein, und natürlich gab's zuerst einmal den Mozart. Mit behendem Esprit schubste Levine das Allegro vivace an, erst einmal erfreuliche Rossini-Assoziationen evozierend. Aber eigentlich tat der Met-Chef kaum mehr, als gute Laune zu versprühen: Weichgespült, mitunter auch etwas ungepflegt der Sound der Münchner; Levines Mozart-Interpretation beschied sich damit, die Oberfläche des Stückes glatt zu polieren, und nicht einmal das gelang übermäßig blendend.

Auch bei Mahler zeichnete der Amerikaner lediglich die äußere Gestalt des Werks nach - in ziemlich pauschalen, groben Strichen - und kümmerte sich kaum um dessen inneren Gehalt. Banale Opulenz und laute Geschäftigkeit waren so unverhofft oft die Folge; immerhin: Man hatte als Zuhörer aufgrund der emotionalen Unterbeschäftigung Zeit, sich über den verwechselbaren, tendenziell leicht verwahrlosten Orchesterklang der Bayern zu sorgen. (STANDARD-Mitarbeiter Stefan Ender /DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

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