Wasserkraftwerke gefährdet

17. Juni 2002, 20:13
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Öko-Auflagen der EU-Wasserrichtlinie bedrohen ein Drittel der Erzeugung

Wien - Die EU-Wasserrichtlinie bedroht Österreichs Wasserkraftwerke. Grund sind die hohen Umweltauflagen, die besonders den kleineren Erzeugungsanlagen den Garaus machen könnte. Im schlimmsten Fall könnte durch die Umweltauflagen rund ein Drittel der heimischen Wasserkrafterzugung wegfallen, warnt Herbert Schröfelbauer, Vorstand der Verbund-Erzeugungstochter AHP: "Wenn man in Nullachtfünfzehn-Manier über alle Kraftwerke drüberfährt, ist die Kleinwasserkraft gefährdet."

Grund: Bei dem Bau neuer Großkraftwerke seien die Öko-Auflagen nämlich leichter zu finanzieren und in den Kosten unterzubringen als bei Kleinanlagen. Ziel der Richtlinie sei eine verstärkte Ökologisierung im Wasserbau, sprich die Mindestfließgeschwindigkeit muss ungeachtet von hydraulischen Erzeugungsanlagen erhalten bleiben. Ferner muss genügend Restwasser vorhanden sein, dazu kommen Öko-Auflagen wie Aufstiegshilfen für Fische. Ebenso dürfe aber die Schifffahrt nicht beeinträchtigt werden. Weiteres Defizit der Wasserrichtlinie: Österreichs Gewässer können wegen der Kraftwerke nicht überall in den geforderten naturnahen Zustand überführt werden.

Koordinierte Vorgangsweisen gefordert

Laut Schröfelbauer ist es höchste Zeit, bei der Umsetzung der EU-Richtlinie zu einer koordinierten Vorgangsweise zu kommen. Schließlich müsse Österreich, um die Klimaziele und die EU-Richtlinie über erneuerbare Energie zu erreichen, bis zum Jahr 2010 zusätzlich 4000 Gigawattstunden aus neuer Wasserkraft produzieren. Das entspricht der vierfachen Produktion des neuesten Verbund-Kraftwerks Wien Freudenau.

Ohne diese zusätzliche Kapazitäten sei die von Brüssel geforderte Erhöhung des Anteils der erneuerbaren Energie (von 70 auf 78 Prozent) nicht machbar. Damit sei auch das Ziel einer nachhaltigen Reduktion der Treibhausgase akut gefährdet. Schröfelbauer ortet einen Widerspruch zwischen den verschiedenen EU-Ökologierichtlinien.

Derzeit werden 64 Prozent des heimischen Wasserkraftpotenzials für Stromerzeugung genutzt, das übrige Drittel liege brach, weil sich ein Ausbau wirtschaftlich nicht rechne, sagte Schröfelbauer bei einer Pressekonferenz des Österreichischen Wasser- und Abfallwirtschaftsverbands ÖWAV am Montag. (rose/DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

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