Bush feilt an Nahosterklärung

17. Juni 2002, 19:02
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Intensive Beratungen über palästinensischen Interimsstaat - Selbstmordattentat im Westjordanland

Washington/Jerusalem - Washington hält weiter die Spannung vor einer Nahosterklärung von US-Präsident George W. Bush hoch. Bush telefonierte noch am Sonntag mit dem saudischen Kronprinzen Abdullah, um seine "Vision" über einen Frieden für Nahost abzustimmen, gab Scott McClellan, ein Sprecher des Weißen Hauses, an. Der Unterstaatssekretär und Nahostgesandte William Burns habe das Wochenende mit kabinettsinternen Beratungen über den Friedensplan zugebracht.

US-Regierungsbeamte ließen zugleich erkennen, der Präsident sei noch unentschieden, was er sagen werde und ob dies in Form einer Rede oder einer einfachen Erklärung geschehen solle. Äußerungen von US-Außenminister Colin Powell über einen möglichen palästinensischen Interimsstaat hatten Meinungsunterschiede innerhalb der Regierung offenbar gemacht. Einige US-Kommentatoren warnten vor einer solchen Übergangslösung zum jetzigen Zeitpunkt. Ein souveräner palästinensischer Staat könne Waffen aus Iran importieren und verfüge über einen Flughafen, von dem mit Sprengstoff beladene Maschinen in Richtung Tel Aviv starten könnten, behauptete etwa William Safire am Montag in der New York Times.

Selbstmordattentat

Ein palästinensischer Selbstmordattentäter sprengte sich indes nach Polizeiangaben auf israelischer Seite an der Grenze zum Westjordanland in die Luft. Erst am Sonntag hatte Israel zur Abschreckung von Attentätern offiziell mit dem Bau eines "Grenzzauns" begonnen, was von Palästinenserpräsident Yassir Arafat verurteilt wurde. Bei der Explosion sei nur der Attentäter selbst ums Leben gekommen, teilte eine Sprecherin der israelischen Polizei mit.

Der Zwischenfall habe sich nördlich der Stadt Tulkarem ereignet. Eine israelische Grenzpatrouille habe eine verdächtige Person gesehen und sie aufgefordert anzuhalten. Plötzlich habe es eine Explosion gegeben. Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer sagte, nach dem Selbstmordattentäter sei gefahndet worden. Er gehöre zu einer Gruppe von fünf Palästinensern, die Anschläge in Israel verüben wollten. Die Kosten für die zunächst auf 110 Kilometer projektierte Grenzvorrichtung sind auf 220 Millionen Dollar (rund 230 Millionen Euro) veranschlagt. (Reuters, red, Der STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

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