Wohlhabend durch wertorientierte Anlagepraktiken

17. Juni 2002, 18:59
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Reiche schichteten im Vorjahr Vermögen in festverzinsliche Anlagen um - Techwerte mutierten zu Blue-Chip-Aktien

Die schwierigen Finanzmärkte und der ausgeprägte konjunkturelle Abschwung in fast allen Ländern hat das Vermögen der Dollarmillionäre fast durchwegs unberührt gelassen. Ihr Vermögen wuchs zwar nicht so (zweistellig), wie noch in den 90er-Jahren, legte im Vorjahr aber trotzdem um drei Prozent auf 26,2 Billionen Dollar zu. Und dies, obwohl die Kapitalisierung der größeren Wertpapierbörsen im Vorjahr um insgesamt 13 Prozent zurückging.

"Die Reichen und Superreichen haben im Verlauf des Jahres 2001 die Zusammensetzung ihrer Portfolios verändert", erklärt Wilhelm Doupnik, Vice President von CGE & Y Österreich: "Offensichtlich erkennen diese Herrschaften frühzeitig Markttendenzen und profitieren davon.". Die Reichen und sehr Reichen schichteten in festverzinsliche Anlagen, einschließlich Dollar-Anleihen, Barbestände und sonstige Sachwerte um. Dort, wo sie in Technologiewerte investiert hatten, wechselten sie zu Blue-Chip-Titeln. Doupnik: "Der Trend ging von Wachstumswerten zu wert- und qualitätsorientierten Titeln."

Vermögenssrückgang hinnehmen

Jene Investoren, die massivin Hightech-Titeln veranlagt hatte, mussten allerdings doch einen Vermögensrückgang hinnehmen. Laut Studie dürften dies vor allem die Chefs von Technologie-, Medien- und Telekomunternehmen gewesen sein, die im letzten Jahr den Wert ihrer Stock-Options dahinschmelzen sehen mussten.

Gleichzeitig machten die Investmentberater von Merril Lynch und CGE & Y sehr unterschiedliche Zielsetzungen bei der Vermögensverwaltung zwischen den beiden großen Millionärsgruppen auf dem Alten und dem Neuen Kontinent fest: Während der amerikanische Millionär die ausgeprägte Aktienkultur seines Landes aktiv für sich zu nutzen weiß, greift der europäische lieber zurück aufs Know-how von Banken und Investmentberatern und vertraut dabei selten nur auf ein Institut. "Die Amerikaner haben einen Hauptanbieter, die Europäer teilen ihre Depots auf mehrere Anbieter auf", erklärt Doupnik.

Unterschiede gibt es auch bei den Investitionszielen: Der US-Millionär investiert in erster Linie auf dem Heimmarkt - und tut einer Internationalisierung über solche US-Aktientitel Genüge, die weltweit agieren. Europäische Reiche hingegen veranlagen stark in verschiedene, auch außereuropäische Regionen. "Hauptziel des europäischen Großinvestors ist neben Werterhaltung Steuerminimierung", sagt Doupnik. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.6.2002)

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