Kurzsichtige Arbeitgeber

17. Juni 2002, 17:51
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"Konkurrenz beflügelt." Das wissen auch Arbeitgeber. Derzeit gibt es mehr gute Leute am Arbeitsmarkt als entsprechende freie Stellen, der Beste ist der Feind des Guten.

Und derzeit wähnen sich Arbeitgeber deshalb in der überlegenen Position. Manche Chefs freuen sich sogar darüber, wenn in ihrer Belegschaft kriegsähnliche Zustände ausbrechen. "Mobbing" nennt man diese neudeutsch. Aber Mobbing ist nicht nur Rückenwind, wenn es darum geht, Personalstände zu reduzieren. Es ist ein rauer Gegenwind, wenn es gilt, Produktivität, Kreativität und Innovationskraft zu steigern.

Diese Ellbogentechnik schafft blaue Flecken an der Seele. Wenn die Seele Schaden genommen hat, ist die Energie draußen. Und wo keine Energie ist, bleibt die Arbeit liegen.

Das traditionelle Karrieredenken kannte nur eine Richtung: bergauf. Eine Gipfellandschaft mit vielen Kreuzen für die Leichen, über die der Weg nach oben führte, war die Folge. Heute verlaufen Karrieren linear. Durch die neue, flache Landschaft fließt ein Fluss. Aus dem gilt es zu fischen. Und das gelingt nicht mit Ellbogen, sondern mit Netzen.

Von Johanna Zugmann
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