Blair verteidigt Waffenexporte nach Indien und Pakistan

20. Juni 2002, 20:21
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Fernandes: Kaum noch Grenzüberschreitungen durch Rebellen

London - Der britische Premierminister Tony Blair hat jüngste Waffenlieferungen an die verfeindeten Atommächte Indien und Pakistan verteidigt. Den Vorschlag, Großbritannien solle "unter den gegebenen Umständen die Verteidigungsindustrie dicht machen", halte er für "absolut bizarr", sagte Blair am Donnerstag in London. Waffenexporte schürten nicht den Kaschmir-Konflikt. Die Lösung liege vielmehr in den beiden Ländern selbst und ihrer Bereitschaft zum Frieden.

Die britische Opposition hatte zuvor Zahlen veröffentlicht, wonach London auch nach der Zuspitzung des Kaschmir-Konflikts im Dezember weit über 160 Lizenzen für Waffenexporte nach Indien und Pakistan erteilte. Allein vom 1. bis zum 20. Mai gab die Industrie- und Handelsabteilung demnach 39 Genehmigungen für die Ausfuhr nach Indien und vier für Pakistan aus. Zwei Tage später rief London rund 150 Botschaftsmitarbeiter aus Pakistan zurück und riet britischen Staatsbürgern zur Ausreise. Die Regierung teilte mit, sie beurteile die Lizenzvergabe von Fall zu Fall. Jeder Export werde auf seine Wirkung auf Frieden und Sicherheit überprüft.

Der indische Verteidigungsminister George Fernandes sagte unterdessen, die Grenzüberschreitungen moslemischer Extremisten von Pakistan nach Kaschmir hätten "fast aufgehört". Im indisch kontrollierten Teil der Grenzregion habe sich die Lage zwar nicht verändert, es rückten jedoch kaum noch Rebellen nach, sagte Fernandes in der Sommerhauptstadt Srinagar. Einen "sofortigen" Rückzug der indischen Truppen aus dem Grenzgebiet lehnte er dennoch ab. Indien und Pakistan haben um die seit Jahrzehnten umstrittene Himalaya-Region bereits zwei Kriege geführt. (APA)

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