Arafat: Israelische "Mauer" ist "schreckliche Aggression"

17. Juni 2002, 16:16
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Ausdruck des "zionistischen Rassismus"

Ramallah/Jerusalem - Der palästinensische Präsident Yasser Arafat hat die geplanten israelischen Sperreinrichtungen, mit deren Bau am Sonntag offiziell begonnen wurde, scharf kritisiert. Bei einem Besuch von Schulen in Ramallah sagte er am Montag vor Journalisten, die "Trennungsmauer" sei Ausdruck des israelischen "Apartheidregimes", des "zionistischen Rassismus" und einer "schrecklichen Aggression". "Wir können ein solches Vorgehen niemals akzeptieren", betonte Arafat. Zugleich unterstrich er, dass sich die palästinensische Führung von den USA "keine Vorschriften" machen und "keine Befehle" erteilen lasse.

Zuvor hatte bereits der palästinensische Minister für Kommunalverwaltung, Saeb Erekat, Israel vorgeworfen, die Palästinenser-Gebiete in kleine Kantone aufteilen und (entsprechend dem früheren Apartheidsystem in Südafrika) "homelandisieren" zu wollen. Israel wolle an der Grenze zum Westjordanland keine Sperreinrichtung "nach dem Vorbild der Berliner Mauer" bauen, erklärte am Montag in Jerusalem eine Sprecherin des israelischen Verteidigungsministeriums. Es werde "keine Mauer" entstehen. Geplant sei der Bau eines Metallzaunes.

Kurz nach Warnungen der israelischen Regierung vor drohenden Selbstmordanschlägen hat sich am Montag im Westjordanland ein palästinensischer Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Dabei wurde ein israelischer Jeep beschädigt, Verletzte gab es nicht. Der Vorfall ereignete sich in der Nähe des Dorfs Kfar Salem in der Nähe der so genannten Grünen Linie zu Israel. Dort hatten am Sonntag die Bauarbeiten für einen so genannten "Schutzwall" gegen palästinensische Attentäter begonnen.

Der israelische Verteidigungsminister Benjamin Ben-Eliezer bedauerte, dass sich der Bau wegen des Widerstands der ultrarechten Opposition verzögert habe. Während der Minister und Chef der Arbeiterpartei in dem Bauwerk einen wirksamen Schutz gegen die "terroristische Infiltration" sieht, kritisiert die Nationalreligiöse Partei als Sprachrohr der jüdischen Siedler in den besetzten Gebieten, dass die Barrieren die künftige Grenze zwischen Israel und einem eigenständigen Palästinenserstaat markieren könnten. Außenminister Shimon Peres nannte die Grenzbefestigung keine "absolute Lösung". Wirkliche Sicherheit gebe es nur durch erfolgreiche Friedensverhandlungen. (APA)

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