Baden wie die Enten

17. Juni 2002, 18:51
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Klub der Reichen und Superreichen wächst - 7,1 Millionen wirklich Wohlhabende gibt es, das entspricht fast der österreichischen Einwohnerzahl

Die Reichen und Superreichen dieser Welt werden nicht weniger. Auch in schwierigen (Börse-)Zeiten wie dem vergangenen Jahr schaffen sie es, ihren Wohlstand zu mehren. Allein im vergangenen Jahr ist die Anzahl der wohlhabenden Privatkunden weltweit um 200.000 Personen angewachsen. Das kumulierte Vermögen, über das die nunmehr 7,1 Millionen Reichen verfügen, stieg auf 26,2 Billionen Dollar oder 29,4 Billionen Euro.

Wohlstand wird dabei sehr großzügig definiert: Jede der Personen, die sich zu diesem Klub zählen darf, verfügt über ein Finanzvermögen von mindestens einer Million Dollar (1,13 Millionen Euro), und der Immobilienbesitz ist dabei noch gar nicht einberechnet. Auch in Österreich fallen 40.000 Menschen in diese Kategorie, so die Investmenthäuser Merril Lynch und Cap Gemini Ernst & Young in ihrem "World Wealth Report 2002".

Fünfzehn bis vierzig Prozent

Je nach Ausbildung der einzelnen Volkswirtschaften besitzen diese Wohlhabenden zusammen zwischen fünfzehn und 40 Prozent des jeweiligen frei verfügbaren Vermögens eines Landes, sagt Peter Laggner, CEO von Cap Gemini Ernst & Young Österreich (CGE & Y). In der Studie wurden die Vermögenden von 59 Ländern untersucht.

Interessant dabei: Die Europäer haben die Amerikaner überrundet. Und zwar sowohl was ihre Anzahl betrifft, als auch, was ihr jeweils zusammengezähltes Vermögen betrifft (siehe Grafiken). Erklärt wird dies von CGE & Y damit, dass in die europäischen Millionärslisten sukzessive auch Vertreter osteuropäischer Länder aufgenommen werden.

Traditionelles Bild

Dennoch bleibt das Bild des typischen europäischen Millionärs traditionell - jedenfalls traditioneller als das des amerikanischen. Der US-amerikanische Krösus ist zumeist zwischen 55 und 57 Jahre alt, findet sich aber in allen Altersstufen. Auch finden immer mehr Frauen in den Klub Eintritt. Nicht so in Europa. Das Durchschnittsalter des Geldadels liegt zwischen 59 und 62 Jahren, konzentriert sich somit auf höhere Altersklassen und ist von Frauen nur wenig durchsetzt.

Auch bei der Quelle des Wohlstands werden die unterschiedlichen Kulturen sichtbar: 37 Prozent der Europäer sitzen auf ererbtem Reichtum - in den USA sind es nur 21 Prozent. Und während die Aufbaugeneration in Europa sehr oft im Handel tätig ist, dominiert in den USA das Unternehmertum rund um Computer, Chips, Software und sonstige Technologien.

Sonderstellung in Lateiamerika

Eine Sonderstellung nehmen in dem Report die lateinamerikanischen Millionäre ein, die trotz wirtschaftlicher Unruhen in Argentinien ihren Wohlstand im Vorjahr um acht Prozent mehren konnten. Der Grund: Das Geld ist vor allem in Dollar-Anleihen und anderen festverzinslichen Produkten geparkt.

Die Reichen und Superreichen schnitten übrigens auch im Langzeitvergleich besser ab als die Besitzer von Eckzinssparbüchern: Das Vermögen der europäischen Millionäre ist seit 1986 um 440 Prozent angestiegen und wird auch in den kommenden Jahren anwachsen. Bis Ende 2006 wird das Vermögen der europäischen Oberklasse um weitere 46 Prozent auf 12,3 Billionen Dollar angewachsen sein, weltweit dürfte es dann bei 38,5 Billionen Dollar liegen. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2002)

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