Innsbrucker Uni schlägt Alarm: Personalmangel gefährdet sozalwissenschaftliche Studien

17. Juni 2002, 15:31
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Auf einen Lehrenden kommen 59 Studierende

Innsbruck - Nach der Grazer Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät hat nun auch die Sowi-Fakultät der Universität Innsbruck Alarm im Hinblick auf die prekäre Personalsituation geschlagen: Die Ausbildung und die Forschung an der Sowi-Fakultät der Uni Innsbruck könnten gefährdet sein - das befürchten die Lehrenden und die Studenten. Montagmittag wurde dem Universitätsmanagement eine Liste mit mehr als 1.000 Unterschriften von Studierenden übergeben.

Laut Sowi-Studiendekan, Univ.-Prof. John-ren Chen, gibt es zu wenig wissenschaftliches Personal, um das Lehrangebot im notwendigen Ausmaß weiter anbieten zu können: "Mit dem zur Verfügung stehenden Personal können wir die Lehre nicht mehr in dieser Qualität anbieten", erklärte Chen am Montag. Die Sowi Fakultät genieße international einen ausgezeichneten Ruf und stehe für hohe Qualität bei Ausbildung und Forschung. Deshalb würde der überwiegende Teil der Studenten ein Studium an der Sowi wählen - ebenso sei die Sowi bei Austauschstudenten aus ganz Europa überaus beliebt.

Die personelle Situation werde laut Uni-Vertretern aber immer prekärer - Vorlesungen mit über 500 Teilnehmern seien keine Seltenheit. Mit 59 Studierenden pro Lehrendem bilde der Sowi-Standort Innsbrucker das Schlusslicht an der Innsbrucker Universität in puncto Personalausstattung. An den anderen Fakultäten Innsbrucks halte das Betreuungsverhältnis durchschnittlich bei neun Hörern pro Lehrendem. Um das heimische Niveau zu gewährleisten, müsste der Personalstand von 106 Wissenschaftler für rund 7.000 Studierende verdoppelt werden, sonst können die "hohen Qualitätsansprüche in Lehre und Forschung" nicht gewährleistet werden, hieß es. Das sei aber utopisch, räumte Chen. Dass die Sowi noch funktioniere, sei nur dem großen Engagement des wissenschaftlichen Personals und dem Verständnis der Studenten zu verdanken, so die Sowi-Vertreter. Das Lehrprogramm sei aber gefährdet, wenn es kein zusätzliches Personal gebe.

Unterstützung fand die Forderung der Fakultät im Vizerektor für Budget und Ressourcen der Innsbrucker Universität, Univ.-Prof. Manfried Gantner: Wir haben bereits geholfen, aber das wird nicht reichen, sagte der Vizerektor. "Der Hilferuf ist verständlich", erklärte Gantner. Die Lehrenden seien nachweislich mehr belastet als an den anderen Innsbrucker Fakultäten. Insgesamt werde "sich die Universität Innsbruck dafür einsetzen, dass der ausgezeichnete Ruf dieser Fakultät erhalten" bleibe.

Es sei unwahrscheinlich, dass vom Ministerium etwas getan wird, sagte Chen. "Ich fordere die Universitätsleitung auf, tätig zu werden", forderte er. Gastprofessuren könnten zwar bestellt werden, aber das seien auswärtige Lehrende. Da sei es dann schwierig, dass die Studierenden an die Professoren herankommen. (APA)

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