Reaktion A1 Busunfall: Expertenstreit um Blutabnahme bei Drogenverdacht

17. Juni 2002, 14:41
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Kuratorium für Verkehrssicherheit fordert dem Alkohol-Gesetz vergleichbare Regelung

Wien - Widersprüchlich sind die Forderungen bezüglich der Blutabnahme bei Drogenlenkern nach dem Busunfall auf der Westautobahn (A1).

Das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) forderte am Montag, in einer Aussendung erneut eine verpflichtende Blutabnahme bei Drogenverdacht. Der Drogenkoordinator der Stadt Wien, Peter Hacker, warnte im Gespräch mit der APA vor schnellen "Schüssen". Der Nachweis des Drogenkonsums habe nicht unbedingt etwas mit Fahruntüchtigkeit zu tun.

"Was beim Alkohol bereits seit Jahrzehnten gang und gäbe ist, soll für Drogenlenker nicht gelten?", fragte KfV-Direktor Othmar Thann. Er forderte vom Verkehrsausschuss im Parlament den Beschluss "einer dem Alkohol-Gesetz vergleichbaren Regelung, die dem Amtsarzt ermöglicht, eine etwaige Drogen-Beeinträchtigung feststellen zu dürfen".

Drei-Stufenmodell

Laut Thann könne durch in Drei-Stufenmodell den Kritikern der verpflichtenden Blutabnahme bei Drogenverdacht der Wind aus den Segeln genommen werden. Erst werde Fahruntauglichkeit durch deutliche Anzeichen festgestellt, dann folge eine klinische Untersuchung durch einen Amtsarzt. Die Blutuntersuchung, bei Verdacht auf Drogenbeeinträchtigung, verhindere jegliche Willkürlichkeit.

Mehr Menschen durch Arzneien beeinträchtigt als durch Drogen

Hacker erinnerte daran, das der "Nachweis von Drogen im Blut keine Verbindung zur Beeinträchtigung der Verkehrssicherheit" habe. Außerdem seien laut Untersuchungen wesentlich mehr Menschen durch legale Mittel wie etwa Arzneien beeinträchtigt als durch Drogen.

Wichtig ist laut Hacker die Frage: "Ist jemand verkehrssicher?" Dazu sind geeignete Prüfmethoden nötig, die derzeit nicht vorhanden sind. Grenzwerte wie etwa beim Alkoholkonsum können nicht angegeben werden, da das Mischen verschiedener Substanzen oder mit Alkohol besonders gefährlich sei.

Reifenplatzer als Auslöser noch immer möglich

Statt im Verkehrsausschuss bereits Gesetze zu beschließen, regte Hacker an, dass Mediziner, Toxikologen und Verkehrspsychologen erst gemeinsam aufschlüsseln, "was umgesetzt werden kann". Der Nachweis, dass der schuldige Lenker bei dem Busunfall Drogen genommen hatte, sage nichts darüber aus, dass er fahruntüchtig war. Bis zur Klärung durch Sachverständige sei etwa auch ein Reifenplatzer als Auslöser der Katastrophe möglich.(APA)

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