Abfangjäger- Entscheidung nicht vor kommender Woche

18. Juni 2002, 11:35
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SPÖ dementiert Duldung bei Zuschlag für Gripen

Wien - Die Typenentscheidung in der Abfangjäger-Nachfolge ist weiter offen und wird vermutlich nicht vor der kommenden Woche fallen bzw. bekannt gegeben. An der Entscheidung gearbeitet wurde nicht nur im Verteidigungs- und im Wirtschaftsministerium, auch im Finanzministerium wird an den verschiedenen Finanzierungsvarianten gerechnet. Dass im Fall des Zuschlags für den "Gripen", der von einem schwedisch-britischen Konsortium vermarktet wird, auch mit einer Duldung der SPÖ gerechnet werden darf, wurde von SPÖ-Seite unterdessen dementiert.

"An der Festlegung der Partei hat sich nichts geändert", so SPÖ-Wehrsprecher Anton Gaal am Montag auf Anfrage der APA. Ausdrücklich verwies er auf einen auch von ihm unterschriebenen SPÖ-Entschließungsantrag, mit dem ein Beschaffungsstopp gefordert wurde. Klar ist aber auch, dass Gaal die Angebote unterschiedlich beurteilt. Ein Zuschlag für den "Eurofighter" wäre der "Tupfen auf dem I im negativen Sinne". Der Eurofighter wäre teurer in der Anschaffung und würde den Ausschreibungskriterien nicht voll entsprechen.

Nervosität steigt

Bei den Anbietern macht sich unterdessen Nervosität breit. Für den "Eurofighter" und den "Gripen" werden großflächige Inserate geschaltet. "Eurofighter"-Anbieter EADS (European Aeronautic Defence and Space Company) etwa versucht, das Ruder mit dem Kostenargument für sich herum zu reißen. Das europäische Konsortium hat ohnehin schon relativ preisgünstig angeboten, ist zu hören. Die Nutzung einer gemeinsamen Logistik-Plattform der Eurofighter-Kunden Deutschland, Spanien, England und Italien in München könnte eine weitere Preisreduktion um bis zu 300 Millionen Euro bringen, heißt es nun. In der österreichischen Ausschriebung wurde freilich der Aufbau einer eigenen derartigen Plattform in Österreich verlangt.

EADS unterstreicht die Vorzüge seines Produktes aber auch anhand direkter Vergleiche mit den Mitbewerbern. EADS hatte etwa gemeint, die F-16 werde bei Lockheed Martin in rund zehn Jahren durch den Joint Strike Fighter ersetzt. Dann werde das Unternehmen auch die Weiterentwicklung einstellen, um die Kunden zum Umstieg auf den neuen Jet zu veranlassen. Auch würden die Kosten für die logistische Unterstützung steigen, weil eine Reihe von Jets in den kommenden 30 Jahren außer Dienst gestellt werde. Schließlich lasse der Eurofighter in Sachen Triebwerksleistung die Konkurrenz hinter sich. Und überhaupt würde bei dem US-Produkt bald ein weitere Strukturverbesserung anstehen, was wiederum zusätzliche Kosten mit sich bringe.

F-16 billiger

Lockheed Martin reagierte am Montag in einer Aussendung verärgert. Tatsächlich würden keine zusätzlichen Kosten anfallen, dazu komme, dass die F-16 schon in der Anschaffung erheblich billiger sei als der Eurofighter, alle Strukturverbesserungen seien darin enthalten. Genannt werden Stückpreise, die im Vergleich zum europäischen Flieger nur die Hälfte bzw. ein Viertel bei der generalüberholten Gebrauchtvariante betragen. Die Stückpreise sind freilich nur bedingt aussagekräftig, entscheidend ist der Systempreis, der auch Bewaffnung, Logistik und Ausbildung beinhaltet. Dabei soll die F-16 voran liegen, gefolgt von Gripen und Eurofighter.

Dementiert wird auch, dass geplant sei, die Produktentwicklung einzustellen. Selbst die US Air Force bekomme nach wie vor neue F-16, der Typ solle in den USA zumindest bis 2030 im Einsatz stehen. (APA)

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