Nordkoreanerin flüchtet in südkoreanisches Konsulat in Peking

17. Juni 2002, 13:22
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Chinesische Behörden wollen rigoros vorgehen - Beziehungen zu Seoul belastet

Peking - Eine Nordkoreanerin ist am Montag in das südkoreanische Konsulat in Peking geflüchtet. Damit warten in der diplomatischen Vertretung 19 Menschen aus Nordkorea auf ihre Ausreise, wie ein südkoreanischer Diplomat mitteilte. Die 30-jährige Frau habe gegen Mittag (Ortszeit) Zuflucht in dem Gebäude gefunden, hieß es. Wie sie an den chinesischen Wachposten vorbeikam, war zunächst unklar. Unter den 19 Nordkoreanern befindet sich auch ein 15-Jähriger, dessen Vater chinesische Wachleute am Donnerstag aus den Räumen des Konsulats gezerrt hatten. Der Vorfall führte zu einer Belastung der diplomatischen Beziehungen zwischen Südkorea und China. Zwei weitere Nordkoreaner halten sich derzeit in der kanadischen Botschaft in Peking auf.

Der chinesische Botschafter Li Bin war Ende voriger Woche in das Außenministerium in Seoul zitiert worden. Der stellvertretende Außenminister Kim Hang Kyung verlangte die Überstellung des festgenommenen Nordkoreaners. Außerdem fordert Seoul eine offizielle Entschuldigung von China wegen des Eindringens chinesischer Wachsoldaten auf das Botschaftsgelände. Südkorea protestierte gegen den flagranten Verstoß gegen die Wiener Konvention von 1961 über die Unantastbarkeit diplomatischer Vertretungen. Wie ein Sprecher des Außenministeriums in Peking erklärte, sei eine "Anweisung" an alle ausländischen diplomatischen Einrichtungen gegangen, etwaige nordkoreanische Botschaftsflüchtlinge den chinesischen Behörden zu übergeben.

Peking fordert Übergabe

China hat seit März 38 nordkoreanischen Botschaftsflüchtlingen die Ausreise erlaubt. Jetzt fordert Peking aber die Übergabe von Flüchtlingen an die Behörden und sagt nur zu, die Fälle nach internationalem und chinesischem Recht und in einem "humanitären Geist" lösen zu wollen. In China leben nach Schätzungen mehr als 150 000 Nordkoreaner im Untergrund, die vor Hunger und Verfolgung geflüchtet sind. China erkennt sie nicht als Flüchtlinge an und schiebt sie bei einer Ergreifung nach Nordkorea ab, wo ihnen Haft und strenge Strafen drohen.

Die Festnahme nordkoreanischer Flüchtlinge im japanischen Konsulat in Shenyang in Nordostchina hatte schwere diplomatische Spannungen zwischen China und Japan ausgelöst. Der chinesische Botschafter in Tokio wurde ins Außenministerium zitiert.(APA)

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