Neues Wiener Medizinstudium fix

17. Juni 2002, 15:39
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Ministerium genehmigt neuen Studienplan - Studienplatzlimitierung allerdings noch ungelöst

Wien - Das neue Wiener Medizinstudium ist nun fix. Das Bildungsministerium hat mit einem Nichtuntersagungs-Bescheid seine Zustimmung zum neuen Curriculum gegeben, die Einschreibefrist startet am 1. Juli. Ab Herbst wird das Medizinstudium an der Uni Wien deutlich praxisnäher als bisher, die Studenten haben sehr früh Kontakt zu Patienten, und die Zahl der Prüfungen ist radikal reduziert.

Noch nicht fixiert ist im neuen Studienplan die ursprünglich geplante Limitierung der Zahl der Ausbildungsplätze ab dem zweiten Abschnitt: Das Ministerium hat den Studienplan nur unter der Bedingung genehmigt, dass die Studienplatzbeschränkung wegfällt. Seitens der Medizinischen Fakultät betont man aber, dass an dieser Beschränkung kein Weg vorbei führt, da nicht mehr Ausbildungsplätze vorhanden seien.

"Weitgehend überholt

Das bisherige Medizinstudium stammt in seinen Grundzügen aus dem Jahr 1902, wurde zuletzt 1978 novelliert und war für den Vorsitzenden der Studienkommission Medizin, Rudolf Mallinger, "weitgehend überholt". Vorherrschend ist derzeit noch ein traditioneller Fächerkanon, Patientenkontakte gab es frühestens im achten Semester, und gelernt wurde von Fach zu Fach mit insgesamt 23 Prüfungen.

Für 150 Medizinstudenten an der Uni Wien hat sich das schon seit dem Wintersemester 2001/2002 grundlegend geändert. Sie studieren in einem "Probegalopp" bereits nach den neuen Lehrplänen. Seitens der Fakultät wird dieser erste Schritt der Umsetzung als erfolgreich gewertet, man habe dabei "wertvolle Praxis-Erfahrungen sammeln können", so der Dekan der Medizinischen Fakultät, Wolfgang Schütz, im Gespräch mit der APA.

Ab dem Studienjahr 2002/03 gilt nun das neue "Medizin-Curriculum Wien" für alle Studienanfänger. 17 Semester lang dauert die gesetzliche Übergangsfrist, in der der alte und der neue Studienplan parallel laufen. In dieser Zeit müssen die Studierenden der alten Studienordnung ihre Ausbildung abschließen.

Studienplatzlimitierung noch ungelöst

Ungelöst ist noch die Frage der Limitierung der Studienplätze. Ursprünglich wollte die Studienkommission die Zahl der Ausbildungsplätze ab dem 3. Semester mit 570 (70 davon für Zahnmediziner) beschränken. Derzeit beginnen jährlich rund 1.400 Studenten in Wien mit dem Medizinstudium, die Drop-out-Rate beträgt etwa 50 Prozent. "Wir haben die Nichtuntersagung des Studienplans unter der Bedingung erteilt, dass das Limit bei den Studienplätzen wegfällt", erklärte der Chef der Hochschulsektion im Bildungsministerium, Sigurd Höllinger, im Gespräch mit der APA. Dem entgegnet Rudolf Mallinger, dass die Zahl auf Grundlage detaillierter Berechnungen ermittelt worden sei, "sie entspricht dem kapazitätsbedingten Limit an praxisnahen Ausbildungsplätzen".

Das Medizinstudium wird wie bisher mit dem akademischen Titel "Dr.med.univ." abgeschlossen. Für eine weitere wissenschaftliche Karriere ist eine eigene Dissertation notwendig, die eine wissenschaftliche Vertiefung ermöglicht und mit dem akademischen Titel "Dr.sci.med." abschließt. (APA)

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