Überlegungen für Sparmaßnahmen

17. Juni 2002, 14:55
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Mögliches Sparvolumen 65 Millionen Euro - "Tief greifende Maßnahmen" - Aktivitäten des ORF außerhalb des Kernauftrags überprüfen

Mit wesentlichen Weichenstellungen für die nahe Zukunft des ORF setzt sich der ORF-Stiftungsrat bei seinen Ausschuss-Sitzungen am Montag auseinander. Im Finanzausschuss steht neben der Bilanz 2001 ein Strategieplan auf der Tagesordnung, der das Unternehmen im kommenden Jahr aus der Verlustzone bringen soll. Das Papier diskutiert neben strukturellen Einsparungen auch Einschnitte beim Programm - etwa den Eigenproduktionen - und zusätzlichen Aktivitäten des ORF an. Dabei werden etwa das RadioKulturhaus oder das Radio Symphonie Orchester genannt.

"Auswirkungen in allen Bereichen"

"Die Umsetzung des Sparprogramms hat Auswirkungen in allen Unternehmensbereichen", heißt es in der "Darstellung möglicher Unternehmensstrategien in programmlicher und struktureller Hinsicht mit dem Ziel eines ausgeglichenen Ergebnisses im Geschäftsjahr 2003", so der umfangreiche Titel des entsprechenden Tagesordnungspunktes.

Das Strategiepapier sieht vor, die Sachkostenbudgets für 2003 nicht zu valorisieren und in den einzelnen Direktionen zwischen 20 Millionen Euro (Programmdirektion) und 700.000 Euro (Kaufmännische Direktion) einzusparen. Insgesamt könne so ein Sparvolumen in der Höhe von rund 65 Millionen Euro erzielt werden, heißt es. Diese könnten "nur über tief greifende strukturelle und programmliche Maßnahmen" realisiert werden.

Überprüfung der Aktivitäten außerhalb des Kernauftrags

Aus diesem Grund sollen Aktivitäten des ORF, die dieser "über den ausdrücklichen gesetzlichen Auftrag hinaus" gesetzt habe, überprüft werden, heißt es weiter. Als Beispiel werden etwa die Beteiligung an 3sat, das Radio Symphonie Orchester (RSO), das RadioKulturhaus, Radio Österreich International oder das "Humanitarian Broadcasting" genannt. "Ein Ansatz für die Realisierung der geforderten Einsparungen ist nun, auf solche Aktivitäten künftig zu verzichten bzw. sie deutlich zu reduzieren und die betreffenden Geschäftsbereiche zu schließen bzw. die betreffenden Aktivitäten einzustellen", heißt es.

das Radio Symphonie Orchester - "Ein heikler Punkt"

Für Helga Rabl-Stadler, bürgerliche Stiftungsrätin und Vorsitzende des Finanzausschusses, ist das "ein heikler Punkt": "Ich halte es für völlig falsch, wenn der öffentlich-rechtliche Rundfunk sein Orchester aufgibt. Aber diskutiert wird sicher in den nächsten Monaten alles", so die Präsidentin der Salzburger Festspiele. "Man darf der Geschäftsführung sicher nicht vorschreiben, wo sie Einsparungen überlegen kann." Vorgeschlagene Einschnitte müssten dann aber gegenüber dem Stiftungsrat auch schlüssig argumentiert werden.

Strategieplan statt singulärer "Kahlschlag"

Dass der ORF in allen Bereichen den Sparstift ansetzen sollte, meint aber auch Rabl-Stadler: "Ich glaube auch, dass man ein so komplexes Unternehmen wie den ORF nicht mit einer einzelnen Maßnahme sanieren kann." Es dürfe nicht einen singulären "Kahlschlag" geben, sondern einen Strategieplan, der insgesamt zu einer Effizienzsteigerung der Programme beitrage.

Kostenersparnis durch Senkung des Eigenproduktionsanteils

Weitere Überlegungen der ORF-Geschäftsführung betreffen die Eigenproduktionen: Diese hätten im Vorjahr 41 Prozent der Sendezeit gefüllt, der Anteil der dafür eingesetzten Budgetmittel sei im Fernsehen aber bei 75 Prozent gelegen, wird in dem Strategiepapier erläutert. "Durch Senkung dieses Eigenproduktionsanteils ist daher eine Kostenersparnis realisierbar", heißt es. Dabei müsse man aber das ORF-Gesetz und dessen Erläuterungen berücksichtigen, wo von einem "angemessenen Anteil" an österreichischen Filmproduktionen die Rede ist.

Sparpotenzial Linzenzkosten

Weiterer Kostenpunkt mit Sparpotenzial seien die Lizenzkosten, da dieser Bereich in den vergangenen Jahren am stärksten gestiegen sei. Auf Programme, die auf Verträgen beruhen, die bald in den kommenden Jahren auslaufen, wie etwa die Champions League, könnte man verzichten, wird als "Möglichkeit" ausgeführt.

Der Programmausschuss des Stiftungsrats erörterte am Montag das Jahressendeschema Fernsehen für 2003. Das Plenum des obersten Aufsichtsgremiums ist für Mittwoch anberaumt. (APA)

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