Sammelklage von Apartheid-Opfern gegen Schweizer Banken

17. Juni 2002, 16:09
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Mindestens 80 Milliarden Franken sollen bezahlt werden - Buhrufe für US-Anwalt Fagan in Zürich

Johannesburg/Zürich - Opfer des südafrikanischen Apartheid-Regimes haben eine US-amerikanische sowie zwei Schweizer Großbanken auf Schadenersatz verklagt. US-Anwältin Diane Simmons erklärte am Montag in Soweto bei Johannesburg, die Sammelklage sei in New York eingereicht worden. Die Klagen richten sich nach Angaben südafrikanischer Anwaltskollegen gegen die Banken UBS, Credit Suisse sowie die Citibank.

US-Anwalt Ed Fagan kündigte gleichzeitig in Zürich weltweite Klagen gegen Banken und Firmen wegen der Unterstützung des Apartheid-Regimes an. Erstes Ziel sind amerikanische und Schweizer Banken. Später will Fagan aber auch Firmen und Banken aus Frankreich, England und Deutschland ebenfalls klagen. Er wirft ihnen vor, mit hohen Krediten das Apartheid-Regime in Südafrika ermöglicht zu haben. Falls die Schweizer Banken bereit seien, alle Dokumente zu Finanztransaktionen mit dem Apartheid-Regime herauszugeben, werde er sich aus dem Fall zurückziehen, sagte Fagan.

Angaben zur Höhe der Forderungen wurden zunächst nicht gemacht, doch dürften sie nach Schweizer Medienberichten in zweistellige Milliardenhöhe gehen. Ein US-Anwalt hatte am Sonntag bestätigt, dass Entschädigungszahlungen von mindestens 80 Milliarden Franken (55 Milliarden Euro) im Gespräch seien. UBS und Credit Suisse erklärten, von einer Klage keine Kenntnis zu haben.

Das Geld soll sowohl einem Fonds als auch individueller Wiedergutmachung zugeführt werden. Die Banken hätten damals die gegen den Apartheid-Staat Südafrika verhängten UNO-Sanktionen ignoriert und der dem Kollaps nahen Regierung Geld geliehen. In einem zweiten Schritt sollen auch Klagen gegen die Commerzbank, Dresdner und Deutsche Bank folgen. "Wir dürfen uns keinen Illusionen hingeben, dass uns das Geld in den Schoss fällt, aber wir haben eine Chance von 50:50", erklärte der Leiter der südafrikanischen Anwaltsgruppe, Dumisa Ntsebeza. Er will nach dem Vorbild der Holocaust-Klagen zunächst Gespräche mit den Banken anstreben.

Potenzielle Geschädigte können sich über eine Hotline der Sammelklage anschließen. Bisher gibt es Klagen für vier verschiedene Opfergruppen: Verwandte von Opfern, Opfer von Justiz-Willkür, in Gefängnissen Misshandelte sowie Vertriebene.

Zu den Klägern gehört demnach auch die Mutter des von der südafrikanischen Polizei bei einem Schülerprotest erschossenen Hector Peterson. Er war das erste Kind, das bei den Schüler- und Studentenprotesten gegen die Bildungspolitik der rassistischen Apartheid-Regierung 1976 von der Polizei erschossen wurde. Das Foto des sterbenden Buben in den Armen seiner Schwester ging damals um die Welt. (APA)

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