Dunkelheit vor der Dämmerung

17. Juni 2002, 12:52
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Adrian Darley, Europa-Aktienfondsmanager bei Gartmore, empfiehlt Anlegern in der aktuellen Börsenflaute einen langen Atem.

Vor dem Sonnenaufgang sei es immer am dunkelsten. Das Gartmore Portfolio bleibt weiterhin defensiv ausgerichtet. Die Konjunktur sollte im Laufe des Jahres wieder an Dynamik gewinnen.

Globale Konjunkturerholung für 2002 erwartet

Adrian Darley: "Expansive Fiskalpolitik, Zinssenkungen und eine expansive Geldpolitik sollten eine Wirtschaftserholung im laufenden Jahr ermöglichen. Die Gefahr von Zinserhöhungen sehen wir nicht - zumindest stellen diese keine Gefahr für die Erholung der Konjunktur dar."

2,5 % in den westlichen Industrieländern scheint sehr realistisch zu sein. Die Entwicklung der Unternehmensgewinne wird moderat ausfallen. Erste positive Signale kommen aus der Industrie - die Stimmungsbarometer zeigen wieder leicht nach oben und haben die Talsole vorerst verlassen. Wichtig ist auch eine positive Margenentwicklung - nur dadurch kann wieder Gewinnwachstum entstehen.

Gartmore favorisiert Konsumgüter

Der Konsumgütersektor wird eindeutig favorisiert. Demgegenüber ist man bezüglich einer Erholung der Unternehmensinvestitionen weiterhin skeptisch. Vor allem die Überkapazitäten im Telekom- und Technologiesektor lassen keine unmittelbare Erholung der Investitionen erwarten.

Größte Sektor-Übergewichtung: Automobile

Der Sektor konnte in den letzten 2 Jahren gegenüber dem MSCI Europe ex UK ein eindeutige Outperformance erzielen. Vor allem Aktien wie Peugeot, Porsche, BMW und auch Renault zeigten überdurchschnittliche Renditen.

Obwohl tendenziell die gehobeneren Segmente der Automobilindustrie bevorzugt werden, sind die großen Massenhersteller im aktuellen Marktumfeld auch interessant.

Qualität der Gewinne entscheidet

Die Erfahrungen mit einer Vielzahl von Bilanzierungs-Skandalen, v. a. in den USA, zeigt wieder deutlich, daß vor allem die Qualität der bekanntgegebenen Unternehmensdaten entscheidet. Zum Teil wurden die veröffentlichten Unternehmenszahlen für Analysten und Investoren nicht mehr durchschau- und interpretierbar.

Welche Gewinn- und Verlustdaten sind richtig?

Adrian Darley: "Beispielsweise berichteten im 1. Quartal 2001 die 100 Unternehmen des NASDAQ 100 Index in Summe USD 82,3 Mrd. an Verlusten gegenüber der SEC (US Börsenaufsicht). Für die gleiche Periode berichteten diese Unternehmen insgesamt USD 19,1 Mrd. an Gewinnen an die Aktionäre mittels "pro forma" Zahlen. In Summe eine Differenz von USD 101,4 Mrd. bzw. mehr als USD 1 Mrd. pro Unternehmen.

Entscheidend ist das Verstehen des Geschäftsmodells und die glaubhafte Darstellung der wichtigsten Unternehmensdaten."

Verständlicherweise wird der Markt auch in den nächsten Monaten von ähnlichen Negativ-Schlagzeilen beeinflußt werden. Die Stimmung der Investoren wird natürlich dadurch nicht verbessert.

Top Holding: BMW, Christian Dior und Endesa

Unter den 10 größten Positionen finden sich noch BNP Paribas, Telecom Italia, Heineken und Inditex. Gartmore betrachtet den Telekomsektor an sich auch als nicht attraktiv - Telecom Italia sei jedoch noch die beste Aktie - vor allem aufgrund geplanter Restrukturierungsmaßnahmen.

Übergewichtet bleiben: Auto, Brauereien, Bauwirtschaft und Einzelhandel

Untergewichtet sind: IT, Chemie (hoher Ölpreis), Versicherungen und Banken

Gegenüber der Benchmark - dem FTSE Europe ex UK Index, der 435 Werte umfaßt, investiert der Gartmore SICAV Continental Europe Fund aktuell in 112 Aktien. Die Performance war sowohl im letzten Jahr als auch seit Auflegung, über 3 und 5 Jahre positiv gegenüber Benchmark und Peer Group.

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