Maler Raimund Girke gestorben

17. Juni 2002, 11:39
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Den "fundamentaler" Vertreter der analytischen Malerei interessierte stets die Strenge statt dem freien Gestus

Köln - Im Alter von 71 Jahren ist der Maler Raimund Girke in Köln nach langer, schwerer Krankheit gestorben. Wie seine Frau mitteilte starb der Künstler bereits am Mittwoch. Als Vertreter einer nichts abbilden wollenden, so genannten "analytischen Malerei" zählte der 1930 geborene Girke zu den international anerkannten deutschen Künstlern. 1977 nahm er an der documenta VI in Kassel teil.

Kampf mit der Leinwand

Seine Malerei sei "fundamental", seine Bilder Resultat eines "autonomen malerischen Prozesses", so betonte Girke stets. Als "Kampf mit der Leinwand" beschrieb er vor fünf Jahren die Entstehung seiner damals jüngsten blaugrauen Großformate mit aufscheinendem Weiß, die thematisch um Nacht, Dämmerung, Schatten und Kälte kreisten.

Reduzierte Bildsprache Girke hatte 1954 sein erstes ungegenständliches Bild gemalt. War Girke anfänglich von der gestisch-rhythmischen Abstraktion des Informel beeinflusst, entwickelte er seit Mitte der 50er Jahre eine auf wenige Töne, in der Hauptsache Weiß, reduzierte, nahezu monochrome Bildsprache.

Variationen eines konsequenten Weges

Auf der Suche nach Ordnung "analysierte" Girke so Farbschichtungen, Farbbewegungen und Struktur, indem er seine Malerei ganz aus der Technik und dem Prozess resultieren ließ. Nicht die befreite Geste, sondern die disziplinierte Strenge und die sachliche Aussage interessiere ihn, hatte Girke einst gesagt. Ohne radikale Brüche ist sein über 50-jähriges Oeuvre gekennzeichnet von einer kontinuierlichen, unmerklich differenzierten Weiterentwicklung und Variation eines einmal eingeschlagenen konsequenten Weges. (APA/dpa)

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