Endgültig pleite

17. Juni 2002, 15:00
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Libro meldet Konkurs an - Interessent Franz Georg Stern und Banken konnten sich nicht einigen - 2.372 Mitarbeiter betroffen

Das wochenlange Tauziehen um das Schicksal der Libro AG ist zu Ende. Die Buch- und Medienhandelskette wird am Montag beim Landesgericht Wiener Neustadt Konkurs anmelden. Nachdem sich die Gläubigerbanken geweigert hatten, Libro weiter zu finanzieren, ist es nicht gelungen, den von den Kreditgebern verlangten Investor zu finden. Auch mit der in letzter Minute aufgetauchten Donau Design und ihrem Geschäftsführer Franz Georg Stern konnten sich die Banken nicht mehr einigen. Libro hätte von den Banken einen Überbrückungskredit von bis zu 50 Mill. Euro gebraucht, um die dritte Ausgleichsquote, die Urlaubsgelder und die Lieferanten und auch die fälligen Mieten zu bezahlen.

"Endgültig letzte Verhandlungsrunde"

Nach einer "endgültig letzten Verhandlungsrunde" am Freitag hatten die Banken an Stern eine Reihe von Bedingungen gestellt. Der Donau Design Vorstand musste bis Montag 10.00 Uhr entscheiden, ob er darauf eingehe und hat abgelehnt. Damit war der Konkurs der Libro AG besiegelt.

Zum Masseverwalter soll wieder Günther Viehböck bestellt werden, der bereits im Vorjahr Ausgleichsverwalter bei Libro war. Er wird voraussichtlich gemeinsam mit dem Unternehmensvorstand Werner Steinbauer die Verwertung von Unternehmensteilen durchziehen. Der Oberösterreichische Landesverlag dürfte nach wie vor an den Amadeus-Filialen interessiert sein und diese in einem ersten Schritt pachten und dann kaufen wollen. Der Landesverlag, der Amadeus vor drei Jahren an Libro verkauft hat, gehört zu 57 Prozent der Passauer Verlagsgruppe, 40 Prozent hält eine Tochter der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich.

Libro gibt es weiterhin

Aber auch Libro wird es voraussichtlich nach dem Konkurs weiter geben. Es ist davon auszugehen, dass einige der wiederholt genannten Interessenten bereits an Auffanglösungen für einzelne Unternehmensteile basteln, heißt es aus dem Umfeld. Sicher dabei sein dürfte die zuletzt genannte Donau Design mit ihrem Geschäftsführer Franz Georg Stern. Aber auch der oberösterreichische Papiergroßhändler Anton Stahrlinger dürfte dann wieder bei den Interessenten dabei sein. Nicht mehr im Rennen sein dürfte der deutsche Buchhandelsriese Hugendubel, der die Buchhandelskrise am eigenen Leib zu spüren bekommt und Kurzarbeit angeordnet hat.

2.372 Mitarbeiter betroffen

Mit der Konkurseröffnung leben die alten Forderungen aus dem Ausgleich im Vorjahr wieder auf, damals wurden Passiva von 240 Mill. Euro anerkannt. Im jetzigen Konkurs werden die Verbindlichkeiten vor allem infolge von Schadensersatzforderungen aus Mieten und einem zusätzlichen Bankkredit von knapp 30 Mill. Euro auf zumindest 350 Mill. Euro steigen. In Bankenkreisen geht man sogar von Verbindlichkeiten von 436 Mill. Euro aus.

Von dem Konkurs sind 2.372 Mitarbeiter betroffen, davon 546 bei Amadeus. Alle beschäftigten wurden bereits im Rahmen des Frühwarnsystems zur Kündigung angemeldet. Libro/Amadeus betreibt derzeit in ganz Österreich 246 Libro- und 22 Amadeus-Filialen.(APA)

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