Unruhen im Süden Perus gehen weiter

18. Juni 2002, 06:30
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Gewaltsame Proteste gegen Privatisierung von Energieunternehmen - Ausnahmezustand in Arequipa und Plünderungen in Tacna

Lima - Die gewaltsamen Proteste gegen die Privatisierung von Elektrizitätsunternehmen im Süden Perus sind am Montag weiter gegangen. Während in der Stadt Arequipa nach Behördenangaben demonstriert wurde, gab es in Tacna gewaltsame Auseinandersetzungen und Plünderungen. Die Regierung hatte 1700 Polizisten nach Arequipa, die zweitgrößte Stadt des Andenstaates, entsandt, um Ruhe und Ordnung wiederherzustellen.

Vor Beginn der Ausgangssperre versammelten sich Einwohner in Arequipa, um gegen die Maßnahmen der Regierung von Präsident Alejandro Toledo zu protestieren. In Arequipa war es bereits am Wochenende zu schweren Ausschreitungen gekommen. Nach offiziellen Berichten wurden bei Zusammenstößen in Arequipa ein Mensch getötet und 142 Personen meist leicht verletzt. Am Sonntag war über Arequipa für 30 Tage der Ausnahmezustand verhängt worden.

In Tacna mischten sich nach Medienberichten Unruhestifter unter einen Demonstrationszug. Mehrere öffentliche Gebäude wurden mit Steinen beworfen. Außerdem wurden aus einer Sparkasse Computer und Möbel im Wert von rund 100.000 Dollar (106.090 Euro) gestohlen. Der Präfekt von Tacna erklärte vor Journalisten, er habe mit Innenminister Fernando Rospigliosi über die Möglichkeit gesprochen, auch für diese Stadt den Ausnahmezustand auszurufen. In der Stadt rund 1300 Kilometer südlich der peruanischen Hauptstadt Lima setzte die Polizei Tränengas ein. Im Laufe des Tages seien 30 Menschen festgenommen und 2 Polizisten verletzt worden.

Die Demonstranten in Arequipa und Tacna waren verärgert über den Verkauf zweier Unternehmen, die Elektrizität für den größten Teil des Südens von Peru produzierten. Durch die Privatisierung von Elektrizitätsunternehmen hatte sich der Strompreis in der Vergangenheit immer wieder für die Verbraucher verteuert.

Toledo hatte bei den Wahlkämpfen der Jahre 2000 und 2001 versprochen, staatliche Stromproduzenten nicht zu verkaufen. Jedoch veräußerte die Regierung die Unternehmen Egasa und Egesur für insgesamt 167 Millionen Dollar (177 Millionen Euro) an die belgische Tractebel.

Präsident Toledo wie Vorwürfe der Demonstranten zurück. Die Erlöse aus dem Verkauf kämen Infrastruktur-Projekten und dem Gesundheitswesen zu Gute. In Peru leben mehr als die Hälfte der Bevölkerung von weniger als eineinhalb Euro am Tag. (APA/Reuters)

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