Vier von zehn Bürgern wollen Nulldefizit statt Steuersenkung

16. Juni 2002, 20:32
36 Postings

Besonders viele Befürworter bei FP-Sympathisanten, SPler für weniger Steuern

Linz - Wie die schwarz-blaue Finanzpolitik bisher gelaufen ist, davon haben die Österreicher ein recht klares Bild: 60 Prozent sagen, dass die Budgetsanierung bisher vor allem durch eine deutliche Erhöhung der Steuern ermöglicht worden ist. Nur 18 Prozent vertreten die Gegenthese, dass das Budget durch eine Verringerung der Staatsausgaben entlastet worden sei. Dennoch misstrauen die meisten Österreicher den Steuerreform-Ankündigungen.

Wie DER STANDARD in seiner Wochenendausgabe berichtete, glauben nur 35 Prozent, dass eine Steuerreform noch vor der Wahl zustande kommt - und nur 26 Prozent glauben, dass sie selber von einer Steuerreform profitieren würden. Diese Ergebnisse einer mar- ket-Umfrage aus der Vorwoche zeigen, warum das Drängen der FPÖ zu einer raschen Steuerreform in weiten Bevölkerungskreisen keinen Widerhall findet.

Mit der Materie befasst

Market-Studienleiter David Pfarrhofer: "Unsere Daten zeigen, dass die Österreicher sich mit dem Thema sehr wohl befasst haben - immerhin 84 Prozent sagen deutlich, dass eine Steuerreform für sie am ehesten aus einer Entlastung der niedrigsten Einkommen bestehen sollte. Und mehr als 80 Prozent haben eine Meinung zur Ökologisierung des Steuersystems - was allerdings derzeit keine Mehrheit finden würde." Dagegen sind die gängigen Varianten - Vereinfachung und Tarifsenkung, Senkung der Lohnnebenkosten oder generelle Tarifsenkung für alle Einkommen - durchwegs mehrheitsfähig.

Allerdings sagen 39 Prozent, dass sie lieber das Nulldefizit halten wollen, als die Steuern zu senken. 38 Prozent der Österreicher sehen es umgekehrt, das restliche Fünftel hat keine Meinung dazu. Die Steuerreform-Befürworter und die Nulldefizit-Fans sind in allen Bevölkerungsgruppen etwa gleich verteilt - nur unter Sozialdemokraten gibt es einen Überhang für die Steuersenkung, bei den Freiheitlichen dagegen sind besonders viele Anhänger des Nulldefizits.

Parteien

Der STANDARD ließ auch fragen, welche der Parteien "für eine Finanzpolitik eintreten, die Ihnen alles in allem vorteilhaft erscheint": [] Der SPÖ trauen 33 Prozent eine vorteilhafte, 46 Prozent eine eher nicht vorteilhafte Finanzpolitik zu. [] Die ÖVP-Finanzpolitik wird von 36 Prozent der Bevölkerung als vorteilhaft, von 42 Prozent als negativ beurteilt. [] Ähnlich fallen die Werte der Freiheitlichen aus, die mit Karl-Heinz Grasser den verantwortlichen Minister stellen: 34 Prozent vorteilhaft, 43 Prozent negativ. [] Die Grünen haben zwar mit Parteichef Alexander Van der Bellen einen Wirtschaftsprofessor an der Spitze, aber nur 18 Prozent der Befragten glauben an eine gute grüne Finanzpolitik, 55 Prozent sehen sie als eher nachteilig an. (Conrad Seidl/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2002)

Share if you care.