Globaler agieren ...

16. Juni 2002, 20:23
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und Technologien nutzen - Über die Zukunft der Gewerkschaften und die Identität von arbeitenden Frauen und Einwanderern

Wien - "Die Menschen wünschen sich Gewerkschaften, die eine Identität haben, der man sich zugehörig fühlen kann." Und da, so Inger Ohlsson, Generaldirektorin des National Institute for Working Life (Stockholm), weiter, gebe es Mankos: Vor allem Frauen und Einwanderer hätten Identitätsprobleme, sagte sie bei der abschließenden Podiumsdiskussion der unter anderem vom Wiener Institut für die Wissenschaften vom Menschen (IWM) organisierten Konferenz "Die Zukunft der Gewerkschaften", am Sonntag in Wien. Nach wie vor seien in den Gewerkschaftsspitzen zu wenig Frauen vertreten.

Wie Ohlsson forderte auch Harvard-Professor Richard Freeman eine stärkere internationale Zusammenarbeit. Die Gewerkschaften müssten darauf reagieren, dass immer mehr Firmen international tätig seien. "Die Technologie ist da, um globaler aktiv zu sein", meinte er und kritisierte, dass viele Gewerkschaftschefs "sich der Möglichkeiten nicht bewusst sind".

Angriff

STANDARD-Kolumnist Hans Rauscher ging in seinem Beitrag vorwiegend auf die österreichische Situation ein. Er sieht in Europa einen "zum Teil erfolgreichen Angriff der Rechtspopulisten auf die Gewerkschaften". Wobei er unterscheidet: Während etwa die Lega Nord in Italien antigewerkschaftlich agiere, versuche die FPÖ in Österreich nicht nur die Gewerkschaften zu zerschlagen - sie wolle auch Ersatz sein. Die Gewerkschaften müssten entscheiden, ob sie den Kampf aufnehmen. Dabei gehörten aber auch populistische Ansatzpunkte in den eigenen Reihen, wie Privilegien, bekämpft.

Man habe "immer versucht, im österreichischen Gewerkschaftswesen bei den Funktionen Klarheit zu schaffen", hielt Fritz Verzetnitsch, Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), dagegen. Und verteidigte gleich seine Position als ÖGB-Chef und Nationalratsabgeordneter: Er sei schließlich in beide Funktionen frei gewählt worden. Zum Kampf gegen die Rechtspopulisten meinte er: Die Gewerkschaft sei kein Ersatz für politische Parteien. Bei direkten Arbeiternehmerwahlen hätte die FPÖ keinen Erfolg gehabt. (pm/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2002)

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