Ice und Breezer umwerben Biertrinker

16. Juni 2002, 19:42
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Fertig gemixte Drinks weltweit am stärksten wachsendes Segment im Lebensmittelhandel

Der Getränkemarkt erlebt derzeit einen Hype wie zuletzt mit den Energydrinks Mitte der Neunzigerjahre: Die größten Zuwachsraten haben nämlich derzeit relativ leicht alkoholische Spirituosen-Limonade-Mischgetränke, so genannte Low-Proof-Premixers aus der Kategorie "Ready to Drink" (Low Proof, der Alkoholgehalt ist unter sieben Prozent).

Die Getränke - etwa Wodka mit Zitronenlimonade gemischt und in einer schlanken Glasflasche abgefüllt - haben weltweit ein Wachstum von 33 Prozent vorzuweisen - von 2000 auf 2001. Sie sind damit im Einzelhandel im gesamten Lebens- und Genussmittelbereich mit Abstand am wachstumsstärksten, erhob das Marktforschungsinstitut ACNielsen. Hier sind die ebenfalls raketenhaften Entwicklungen in der Gastronomie nicht erfasst (in den Bars und bei Konzerten gibt es keine Scannerkassen, deswegen auch nur Schätzungen).

Trinker abspenstig machen

Die Intention der Hersteller ist eindeutig: Dem Biermarkt sollen Trinker abspenstig gemacht werden. Deswegen ist auch dieser Markt Messgröße: "In den Ländern, wo der Boom schon seit längerem läuft, werden oft zwei Prozent des Biermarktes abgesetzt. Das wären bei uns rund 60 Millionen Flaschen pro Jahr, dies betrachten wir auch als Gesamtpotenzial", so Leopold Machacek, Brand-Manager bei Bacardi-Martini. Heuer dürfte es ein Drittel dieser Zahl werden. "Jeder versucht sein Glück darin", sagt Günter Suhrada, Direktor der Österreich-Niederlassung von Guinness (Produkt: Smirnoff Ice). Der Unterschied zum Energydrinkboom sei, dass von Beginn an internationale Riesen wie Diageo/Guinness, Seagram, Bass Breweries oder Bacardi-Martini dabei sind. Analog zu den Aufbleibsafterln ist aber: Im Wochentakt starten Produkte kleinerer Hersteller - und verschwinden ebenso schnell.

In Österreich sind die Produkte des Hauses, Bacardi Breezer und Eristoff Ice/Fire, Marktführer, laut eigenen Angaben hält man zwei Drittel. Seit Februar mischt Smirnoff Ice mit, seit damals wird ein Viertel der Verkäufe für sich reklamiert. Vor drei Monaten stieg auch Lokalmatador Stock Austria (Cola mit Strohhalm) ein. Laut Geschäftsführer Harold Burstein soll das Stroh-Rum-Image - wegen dem vor zwei Jahrzehnten noch Busladungen Touristen in der Zollfreizone Kleinwalsertal einfielen - weg von Jaga-Tee und Punschkrapferl kommen.

Ein zusätzlicher wichtiger Grund, weswegen die Hersteller sich so auf die Low-Proof-Produkte stürzen, ist: Dafür darf TV-Werbung gemacht werden, für harte Spiritousen vielerorts nicht. (Leo Szemeliker/DER STANDARD, Printausgabe, 17.6.2002)

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