"Palästinenser haben ihr Land noch nicht verloren"

16. Juni 2002, 17:44
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Hoda Gamal Abdel Nasser würdigte in Wien die ägyptische Kulturrevolution vor 50 Jahren

Wien - Die Palästinenser haben Palästina noch nicht verloren. Dies erklärte die ägyptische Universitätsprofessorin Hoda Gamal Abdel Nasser, Tochter des ehemaligen ägyptischen Staatschefs Gamal Abdel Nasser am Samstagabend in Wien. "Wenn Israel nach 2000 Jahren erklärt, es habe noch ein territoriales Anrecht, so können die Palästinenser nach 50 Jahren Vertreibung dieses Anrecht auf Palästina nicht verloren haben", sagte Nasser bei einem Vortrag mit dem Titel "50 Jahre ägyptische Revolution".

Der Präsident der Palästinensischen Gesellschaft in Wien, Mustafa Abdil Hadi sagte, wenn der ehemalige ägyptische Präsident noch leben würde, würde es in Palästina die heutigen Ereignisse nicht geben: "Nassers Herz hat immer für die Palästinenser geschlagen", sagte Hadi. "Mit Nasser ist für uns ein Vater gestorben."

Fünfzigster Jahrestag

Der sich im Juli zum fünfzigsten Mal jährende Tag der ägyptischen Revolution Nassers sei der Idee entsprungen, erst die arabische Welt zu reformieren, bevor der Kampf gegen die "Zionisten" in Angriff genommen werden könne, erklärte die Nasser-Tochter. Die britischen Kolonialherren seien damals nicht auf eine Revolution vorbereitet gewesen. Der "Überraschungseffekt" habe verhindert, dass sie von 75.000 britischen Soldaten niedergeschlagen worden wäre.

Die ägyptischen Streitkräfte und die Bevölkerung hätten in einem Land, in dem 0,5 Prozent der Bevölkerung 90 Prozent des Eigentums besessen hätten, die Revolution unterstützt, so Nasser. Als ihr Vater schließlich im September die Agrarreform eingeführt habe, seien die britische und amerikanische Regierung schließlich vor vollendeten Tatsachen gestanden und hätten die neue ägyptische Regierung anerkannt.

"Dorn im Auge"

Da Nasser sich im Februar 1955 geweigert habe, dem antisowjetischen Bagdad-Pakt beizutreten und mit Israel Frieden zu schließen, hätten Briten und Amerikaner Kairo keine mehr Waffen geliefert, erklärte die Universitätsprofessorin. Nachdem Ägypten 1959 von Israel "überfallen" worden sei, habe Nasser von der kommunistischen Tschechoslowakei Waffen gekauft, was im Westen heftige Kritik hervorgerufen habe.

Die Vereinigung von Syrien und Ägypten (1958-61) sei sowohl dem Westen als auch dem Osten ein "Dorn im Auge" gewesen, so Hoda Nasser. Nassers Unterstützung der Befreiungsbewegungen im arabischen Raum (Tunesien, Algerien und Jemen) sei auf massive Kritik der westlichen Staaten gestoßen. Großbritannien habe versucht, auf Kairo Einfluss zu nehmen. So habe Großbritannien als Vorbedingung der Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen von Nasser gefordert, in einigen afrikanischen Staaten keine ägyptische Botschaft zu errichten. (APA)

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