Kleptomanische - meistens weiblich

16. Juni 2002, 12:28
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Frauen leiden häufiger unterm Stehltrieb als Männer

Münster - Frauen leiden nach einer Untersuchung der Universität München viel häufiger an krankhaftem Stehltrieb - so genannter Kleptomanie - als Männer. Darauf hat im Zusammenhang mit dem Diebstahlsprozess gegen die US-Filmschauspielerin Winona Ryder der Diplompsychologe Steffen Fliegel von der Gesellschaft für Klinische Psychologie und Beratung in Münster hingewiesen.

Entsprechend groß sei die Quote der Frauen, die von Gerichten nach Ladendiebstählen für schuldunfähig erklärt und zu Psychotherapien verpflichtet würden, sagte Fliegel. Insgesamt gehörten aber weniger als fünf Prozent der Ladendiebe zum Kreis der Kleptomanen. Und die erwischten Ladendiebe sind nach einer vom deutschen Bundeskriminalamt bestätigten Zahl meist Männer (2000: 281.033 im Vergleich zu 185.225 Frauen). In Deutschland werden laut Fliegel jährlich Waren im Wert von 2,2 Mrd. Euro aus Einzelhandelsgeschäften gestohlen, meist CDs, Software, Parfüms, Unterwäsche und Jeans. 70 Prozent der Ladendiebe seien zwischen zwölf und 30 Jahre alt.

Erotischer Thrill

Die Gründe für die Stehlsucht sind nach Angaben des Therapeuten vielfältig. "Nur in seltenen Fällen spielt Armut eine Rolle. Kleptomanen kommen auch keineswegs vorzugsweise aus sozial schwachen Milieus." Zum Stehlen veranlasse vielmehr ein Zwang, eine Sucht oder ein Rausch, der sogar zur sexuellen Erregung führen könne. Manchmal sei auch der Wunsch nach Aufmerksamkeit infolge innerer Einsamkeit die Ursache krankhaften Stehlens.

Ein Rolle beim Stehlen spielten zudem die Sehnsucht nach Abenteuer und Nervenkitzel, erklärte der 54-jährige Verhaltensexperte. "Manche, besonders Jugendliche, wollen auch einfach nur Mut beweisen, um ihre Stellung in der Clique zu stärken." Erster Schritt auf dem Weg zur Befreiung vom Stehltrieb sei, mit sich selbst, Bezugspersonen oder einem Psychotherapeuten die tieferen Ursachen herauszufinden. (APA)

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