Die WAZ steigt im TV groß ein

16. Juni 2002, 11:49
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Konsortium für Übernahme der KirchMedia steht

Die sonst so zurückhaltenden Banker waren diesmal am auskunftsfreudigsten: Während die Medienkonzerngruppe WAZ am Freitag einen Kommentar verweigerte, gab die Commerzbank bekannt, dass ein Vorvertrag zur Übernahme der insolventen KirchMedia unterzeichnet worden sei. Demnach wollen WAZ und Commerzbank vorerst jeweils 40 Prozent halten, das Hollywoodstudio Tristar 20 Prozent. Es sollen rund 1,8 Milliarden Euro für den Zuschlag zu Kirchs Mehrheitsbeteiligung an der TV-Gruppe rund um ProSieben und Sat.1 sowie dem Film- und Sportrechtehandel geboten worden sein. Nächste Woche soll der Konsortialvertrag unterschrieben werden. Die in Österreich unter anderem bei Krone und Kurier engagierte WAZ würde damit auf einen Schlag zum zweitgrößten TV-Anbieter in Deutschland avancieren. Die endgültige Entscheidung für den Einstieg muss im Konzern aber noch getroffen werden.

Für weitere partner offen

Das Konsortium will für weitere Partner offen sein. Als mögliche weitere Partner nannte Commerzbank-Vorstand Wolfgang Hartmann den Konzern Mediaset von Italiens Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und die italienische Bank Mediobanca. Am Mittwoch hatte Hartmann bereits den Bauer-Verlag und den bei ProSieben engagierten Kölner Einzelhandelskonzern Rewe ins Spiel gebracht. Auch Branchenriesen wie AOL-Time Warner und Viacom gehören zu den 82 potenziellen Investoren, die Interesse an einer Übernahme der Kernbereiche von Leo Kirchs einstigem Imperium angemeldet haben. Der US-Unternehmer Rupert Murdoch dürfte aus dem Rennen sein.

Die neue KirchMedia solle als Aktiengesellschaft gegründet werden, um sie mittelfristig an die Börse zu bringen, wogegen die WAZ Vorbehalte haben soll. (afs/DER STANARD; Printausgabe, 15./16.6.2002)

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