Optimistisch für Wirtschaftsaussichten

18. Juni 2002, 12:18
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G-7-Gruppe beurteilt Entwicklung der Weltwirtschaft positiv - 34 Demonstranten festgenommen

Halifax - Die Siebenergruppe der führenden Industrienationen (G-7) beurteilt die Entwicklung der Weltwirtschaft trotz widersprüchlicher Daten und ungeachtet jüngster Wechselkursveränderungen mit ungetrübtem Optimismus. "Das Wachstum in unseren Volkswirtschaften hat seit unserem letzten Treffen an Stärke gewonnen und sollte sich im Laufe des Jahres weiter festigen", hieß es im Abschlusskommunique, das die G-7-Finanzminister bei ihrem Treffen im kanadischen Halifax am Samstag verabschiedeten. "Aber es gibt Risiken", mahnte der Gastgeber des Treffens, Kanadas Finanzminister John Manley. Die Minister einigten sich darauf, ihre Hilfe für ärmere Länder zu verstärken.

Der gemeinsame Kampf gegen kriminelle Praktiken im internationalen Finanzsystem solle forciert werden, sagte Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD). In Hinblick auf Vorbeugung und Bewältigung von Finanzkrisen seien Fortschritte gelungen. Die Argentinien-Krise gebe weiter Anlass zur Sorge.

Wachstumsfördernde Politik

In ihrem Abschlusskommunique mahnten die Finanzminister aus den USA, Großbritannien, Italien, Frankreich, Japan, Kanada und Deutschland eine wachstumsfördernde Politik weltweit an. Das schließe Maßnahmen ein, die das Funktionieren von Arbeits-, Kapital- und Produktmärkten sicherstellten, die Umwelt schonten sowie Innovation und Unternehmergeist förderten. US-Finanzminister Paul O'Neill versicherte, ungeachtet einzelner negativer Daten liege die US-Wirtschaft auf einem guten Wachstumsweg und spiele in der Weltwirtschaft die Rolle einer Konjunkturlokomotive. Die US-Konjunktur stehe auf solidem Boden, auch wenn es ein "paar Wolken" am Konjunkturhimmel gebe. O'Neill bekräftigte, dass die USA eine Politik des starken Dollar verfolgten und nicht beabsichtigten diese zu ändern.

Daran anknüpfend sagte Eichel, für Europa sei ein starker Euro bei niedrigen Zinsen besser als das Gegenteil. Auch er betrachte die konjunkturellen Aussichten als günstig und sehe weder durch den starken Euro, noch durch die drohenden Streiks in der Bauindustrie derzeit größere Konjunkturgefahren. Im Übrigen habe das Wechselkursthema bei dem Treffen keine Rolle gespielt, sagten die G7--Minister.

Entwicklungsländer

Mit Blick auf den in Weltwirtschaftsgipfel kündigten die G-7-Staaten wirksamere Hilfen für ärmere Entwicklungsländer an. Man wolle die Entschuldungsinitiative für die ärmsten Länder (HIPC) zum Erfolg führen und dafür die nötigen finanziellen Beiträge leisten. Die Weltbank-Tochter IDA soll mit neuen Mitteln von rund 22 Mrd. Dollar ausgestattet werden, von denen rund 20 Prozent als Zuschüsse für konkrete Hilfsprojekte, etwa in den Bereichen Infrastruktur, Bildung, Aids-Bekämpfung ausgegeben werden sollen. Der Kompromiss in der G-7 bedarf noch der Zustimmung anderer IDA-Geberländer.

Die G-7-Minister erzielten nach Eichels Worten große Fortschritte auf dem Wege, Hilfspakete des Internationalen Währungsfonds (IWF) für Krisenländer strikt mit einer Obergrenze zu versehen. Das hätten auch die USA akzeptiert. Argentinien, das seit langem in einer tiefen Finanzkrise steckt, forderten die G-7-Minister auf, ein tragfähiges Konzept zur Sanierung des Landes zu erarbeiten, dass Vorbedingung für internationale Hilfen bilde. Nach wie vor bestehe große Sorge über die Lage in Argentinien, auch wenn man weiter keine größere Ansteckungsgefahr in der Region sehe, sagte Eichel.

34 Demonstranten festgenommen

Das G-7-Ministertreffen hatte diente der Vorbereitung des nächsten Weltwirtschaftsgipfels im kanadischen Kananaskis am 26./27. Juni. 34 Demonstranten hat die Polizei festgenommen. Die Globalisierungskritiker hatten Straßensperren in der ostkanadischen Hafenstadt Halifax überrannt, wie ein Polizeisprecher mitteilte. Zuvor waren Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen rund 200 Demonstranten vorgegangen, die Barrieren in der Nähe des Konferenzzentrums stürmen wollten.

Am Freitag hatten zahlreiche Globalisierungskritiker friedlich demonstriert. Für den G-8-Gipfel im westkanadischen Kananaskis Ende Juni kündigten die Globalisierungskritiker größere Demonstrationen an. An dem Treffen in Halifax nahmen die Finanzminister von Deutschland, Kanada, Japan, Frankreich, Großbritannien, Italien und den USA teil. (APA/Reuters)

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