Zehntausende Venezuelaner demonstrierten gegen Chavez

16. Juni 2002, 09:38
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Gerüchte kreisen über Putschversuch gegen umstrittenen Linkspopulisten

Caracas - In der venezolanischen Hauptstadt Caracas haben am Samstag zehntausende Menschen gegen Präsident Hugo Chavez demonstriert und ihn zum Rücktritt aufgefordert. Die Demonstranten schwenkten Flaggen, Plakate und Banner, lärmten mit Hupen und Pfeifen und riefen mit Blick auf Chavez: "Raus, raus, raus". Oppositionsführer kündigten weitere Protestveranstaltungen an.

Nach dem gescheiterten Putschversuch aufständischer Militärs und Politiker im April herrscht in dem südamerikanischen Land wegen anhaltender Gerüchte über einen neuen Umsturzversuch Verunsicherung. Zwar sagte Innenminister Diosdado Cabello, im Land sei es ruhig, doch räumte er ein, dass die Regierung des fünftgrößten Erdölexporteurs wegen der Putschgerüchte die Sicherheitsvorkehrungen verschärft habe.

Kurzzeitig entmachtet

Chavez war im April kurzzeitig entmachtet worden. Bei den Unruhen während des Umsturzversuches zwischen dem 11. und 14. April waren mehr als 60 Menschen getötet worden. Die bereits vorhandenen Spannungen in der Bevölkerung zwischen Arm und Reich wurden weiter verschärft. Die jüngsten Warnungen vor einem neuen Putschversuch bezeichnete Chavez als Propaganda der Opposition.

Seit seiner Wahl 1998 hat sich der Widerstand gegen die Sozial- und Wirtschaftsreformen verstärkt, mit denen Chavez nach eigener Darstellung die Korruption und die Armut im Land bekämpfen will. Kritiker werfen Chavez vor, durch seine engen Kontakte zu Ländern wie Kuba, die den USA kritisch gegenüber stehen, Investoren zu verschrecken und das Land entlang der Klassengrenzen zu spalten. (APA/Reuters)

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