Kurdenführer gibt Irak keine Chance bei US-Angriff

15. Juni 2002, 20:11
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Jalal Talabani: Saddam Hussein könnte nur wenige Tage standhalten

Hamburg - Das Regime des irakischen Staatschefs Saddam Hussein könnte nach Ansicht des Kurdenführers Jalal Talabani einem US-Angriff nur wenige Tage standhalten. "Das irakische Regime wird sich nicht lange halten können und sich innerhalb von Tagen auflösen", sagte der Chef der Patriotischen Union Kurdistans (PUK) dem in Hamburg erscheinenden deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", das am Montag erscheint. Sollte Saddam Hussein bei einer US-Intervention die Kurden im Nordirak angreifen, so würden diese sich zur Wehr setzen: "Natürlich würden wir uns dann verteidigen und einen Gegenangriff starten", sagte Talabani. Der Nordirak ist seit dem Ende des Golfkriegs 1991 der Kontrolle Bagdads entzogen.

Die Provinzen Arbil, Suleimaniya und Dohuk werden von der Demokratischen Partei Kurdistans (KDP) unter Massud Barzani und der PUK seines Rivalen Talabani kontrolliert. Die PUK beherrscht den östlichen Teil an der Grenze zum Iran, während die KDP weitgehend das Grenzgebiet zur Türkei unter ihrer Kontrolle hat.

Aufforderung an Deutschland

Talabani (68), der dem "Spiegel"-Bericht zufolge kürzlich in Frankfurt mit amerikanischen Regierungs- und Geheimdienstvertretern sprach, forderte Deutschland zum Beistand bei einem erneuten Giftgas-Angriff Bagdads auf die Kurden auf. Über den deutschen Botschafter in der Türkei habe die PUK angefragt, ob die deutschen ABC-Waffenspezialisten, die nach Kuwait entsandt wurden, dann die Kurden im Nordirak beschützen könnten. Dies stünde den Deutschen gut an, weil deutsche Firmen dem Irak bei der Entwicklung chemischer Waffen geholfen hätten, meinte Talabani.

Die USA setzten inzwischen nicht mehr auf einen Staatsstreich im Irak, sondern auf die Kurdenparteien im Norden und die schiitische Opposition, so der PUK-Chef. Washington verstehe jetzt, dass die Kurden keine Separatisten seien, sondern einen "föderalen demokratischen Irak" wollten. Die Angst der Amerikaner, die Schiiten seien Verbündete des Iran, sei unberechtigt. Diese wollten "endlich ihre Bürgerrechte in einer parlamentarischen Demokratie verwirklichen", sagte Talabani. (APA/dpa)

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