Etappe 6: Obwaller neuer Leader

16. Juni 2002, 15:42
1 Posting

Mit einem zweiten Tagesrang holte sich der Bergspezialist das Gelbe Trikot - Glomser eine Sekunde zurück

Tamsweg/Salzburg - Die Bank-Austria-Tour wird zum Sekunden-Krimi, auf dem letzten Abschnitt am Sonntag nach Graz (200 km) kämpfen die Salzburger Hans Peter Obwaller und Gerrit Glomser um den Gesamtsieg. Obwaller entriss seinem Landsmann am Samstag dank Rang zwei auf der sechsten Etappe von Kitzbühel nach Tamsweg (171 km) das Gelbe Trikot und führt nach 954 Kilometern mit nur einer Sekunde Vorsprung. "Jäger" Glomser hat im Finale in vier Sprintwertungen die Chance, Bonussekunden zu sammeln. Tagessieger im Lungau war der Kärntner Hannes Hempel.

Angrif am Tauernpass

Bei der 54. Österreich-Rundfahrt kündigt sich einer der knappsten Erfolge der Geschichte an. Obwaller hatte sich im Anstieg zum Tauernpass (1.739 m) von seinen Rivalen abgesetzt und raste dann gemeinsam mit dem in der Abfahrt aufschließenden Hempel dem Ziel entgegen. "Da war ich voll am Limit, diese Rundfahrt ist ein Sekunden-Poker", meinte Kletter-Spezialist Obwaller.

Obwaller erstmals in Gelb

Glomser hatte mit der Verfolgergruppe 21 Sekunden Rückstand, sechs Bonussekunden für Rang zwei verhalfen Obwaller zum ersten Führungstrikot seiner Karriere. "Das Gelbe Trikot ist eine super Sache, es wäre sehr schön, wenn ich nach dem zweiten Platz im Vorjahr heuer gewinnen könnte", sagte der Niedernsiller, der auch heuer für einen Grazer Klub fährt, weil er ein Profi-Engagement bei Mobilvetta in Italien gar nicht antrat. "Da war ich vom Umfeld enttäuscht, es gab keine vernünftige Rennplanung."

Glomser braucht Sprintgutschriften

Der Pinzgauer Obwaller, der am Montag 31 Jahre alt wird, hat das ÖRV-Team hinter sich und muss darauf hoffen, dass sein Rivale am Sonntag bei den drei Zwischensprints (3-2-1 Sekunden) und im Ziel (10-6-4) leer ausgeht. Eine Ausreißergruppe, die vor den Sieganwärtern die Zeitgutschriften "abräumt", käme ihm gerade recht. "Ich glaube aber, dass Glomser doch die besseren Karten hat", meinte er.

Glomser gestern nach der Etappe gestürtzt

Glomser konnte einem leid tun. Bei der Abfahrt vom Kitzbühler Horn war er nach dem Rennen schwer gestürzt, Schnittwunden an der rechten Innenhand, verursacht durch einen Stacheldraht, mussten sogar genäht werden. Die Verletzung behinderte beim Anstieg nach Obertauern, wo der Saeco-Profi auch den Strapazen der vergangenen Tage Tribut zollen musste. Und in der Abfahrt in Richtung Tamsweg musste er selbst für das Tempo sorgen. "Obwaller ist am Berg eine Klasse für sich, da konnte ich nicht mit", so der 27-Jährige. Dass sich der Rückstand - er betrug maximal 1:10 Minuten - schließlich in Grenzen hielt, war alleine sein Verdienst.

Hempel Tagessieger

Für Hempel war es der zweite Etappensieg bei der Rundfahrt nach Hintertux 1994. Damals bei Kälte und Regen, am Samstag bei mehr als 30 Grad Hitze. "Ein wichtiger Sieg, der auch ein bisschen Geld in die Mannschaftskassa bringt"; freute sich der Gesamt-Zweite von 2000 aus dem Linzer Bikedrive-Team. Als Gesamt-Fünfter hat er 1:23 Minuten Rückstand auf Obwaller. Peter Luttenberger, der Gesamt-Dritte (+0:43), vermochte im Anstieg nach Obertauern das Tempo seines Nationalteam-Kollegen Obwaller nicht zu halten, fuhr solo als Dritter Richtung Ziel, wurde aber noch von den 13 Verfolgern eingeholt. (APA)

6. Etappe (Kitzbühel - Tamsweg/171 km):

1. Hannes Hempel (AUT/Bikedrive Linz) 4:00:03 Stunden - 2. Hans Peter Obwaller (AUT/Nationalteam) gleiche Zeit - 3. Graziano Gasparre (ITA/Mapei) 20 Sekunden zurück - 4. Harald Morscher (AUT/Nürnberger) + 21 - 5. Mitja Mahoric (SLO/Perutnina) + 21 - 6. Jörgen Po Petersen (DEN/EDS Fakta) + 21 - 7. Paolo Valoti (ITA/Index-Alexia) + 21 - 8. Lennie Kristensen (DEN/EDS Fakta) + 21 - 9. Jewgenij Petrow (RUS/Mapei) + 21 - 10. Valter Bonca (SLO/Perutnina) + 21 - weiters: 13. Gerrit Glomser (AUT/Saeco) + 21 - 15. Peter Luttenberger (AUT/Nationalteam) + 21

Share if you care.