USA verlangen von Jugoslawien Festnahme von Kriegsverbrechern

15. Juni 2002, 14:18
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Milosevic-Leute haben 6,1 Millionen Euro auf Schweizer Konten

Belgrad/Bern - Die USA haben am Samstag Jugoslawien erneut aufgefordert, alle wegen Kriegsverbrechen angeklagte Personen festzunehmen und an das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag auszuliefern. Nur auf diese Weise könne Belgrad ein Partner Washingtons sein, sagte der US-Botschafter für Kriegsverbrecherfragen, Pierre-Richard Prosper, auf einer von der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) organisierten Konferenz über Kriegsverbrecherprozesse in Belgrad.

Von erstrangiger Bedeutung seien die Festnahmen des ehemaligen bosnischen Serbenführers Radovan Karadzic, seines Armeechef Ratko Mladic und anderer "wichtiger Angeklagter", zitierte die Nachrichtenagentur Tanjug den Botschafter. Von dieser Bereitschaft Belgrads hänge auch die weitere wirtschaftliche und finanzielle Unterstützung der USA ab, erklärte Prosper. Belgrad hat bereits mehrfach dementiert, dass sich Karadzic und Mladic auf jugoslawischem Boden aufhalten.

Indessen wurde bekannt, dass neun der engsten Vertrauensleute des ehemaligen jugoslawischen Staatschefs Slobodan Milosevic auf Konten in vier Banken in der Schweiz insgesamt neun Millionen Franken (6,1 Millionen Euro) liegen haben. Allein auf dem Bankkonto des früheren serbischen Regierungschefs liegen 1,25 Millionen Franken (850.000 Euro), sagte der serbische Finanzminister Bozidar Djelic am Samstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Beta in Belgrad.

Die Schweiz hat den Belgrader Behörden am Freitag den ersten Teil der Rechtshilfe-Akten weitergegeben. Diese Millionen bleiben auch weiterhin gesperrt, hatte das Bundesamt für Justiz in Bern mitgeteilt. Drei ranghohe Vertreter der ehemaligen Belgrader Führung werden verdächtigt, sich illegal bereichert zu haben. Die Schweiz hatte bereits 1999 auf Grund eines Rechtshilfe-Ersuchens des Haager Tribunals in Den Haag Vermögenswerte von Milosevic und vier weiterer wegen Kriegsverbrechen angeklagter Personen gesperrt. (APA/dpa)

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