Zentralratschef Spiegel zieht kritisches Fazit seiner Amtszeit

15. Juni 2002, 11:00
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"Antisemitismus hat in Deutschland nie zu existieren aufgehört und Möllemann gab Klischees neue Nahrung"

Berlin - Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Paul Spiegel, hat gegenüber dem Fernseh-Sender Phoenix ein kritisches Fazit seiner bisher zweieinhalb Jahre währenden Amtszeit gezogen. Die letzten Wochen und Monate hätten ihm gezeigt, dass das Leben von Juden in Deutschland von der Normalität weit entfernt sei, sagte Spiegel am Freitag mit Blick auf den Streit zwischen dem Zentralrat und dem FDP-Politiker Möllemann.

"Der Antisemitismus hat in Deutschland nie aufgehört zu existieren und Möllemann hat den Klischees neue Nahrung verschafft." Die Hemmschwelle für antijüdische Äußerungen sei nicht nur gesunken, sondern überhaupt nicht mehr vorhanden.

Spiegel forderte mehr Aufklärung über das Judentum an den Schulen. Das Wissen über den Einfluss jüdischer Kultur und jüdischer Persönlichkeiten auf deutsche Geschichte sei dort erstaunlich gering, sagte der Zentralratspräsident.

Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Möllemann hatte mit Blick auf Anschläge von Palästinensern in Israel unter anderem geäußert: "Ich würde mich auch wehren, und zwar mit Gewalt. Und ich würde das nicht nur im eigenen Land tun, sondern auch im Land des Aggressors." Später machte er den Vizepräsidenten des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, für Antisemitismus in Deutschland mitverantwortlich. (APA)

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