Attentat auf Regierungschef Indisch-Kaschmirs

15. Juni 2002, 15:27
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Granatenanschlag glimpflich ausgegangen - Drei Tote und 24 Verwundete bei Grenzgefechten

Neu-Delhi - Der Regierungschef des indischen Teils Kaschmirs, Faruk Abdullah, ist am Samstag nur knapp einem Anschlag entgangen. Wie die indischen Nachrichtenagentur UNI berichtete, feuerten die unbekannten Attentäter bei einer Veranstaltung in Bemina in der Nähe der Provinzhauptstadt Srinagar zwei Gewehrgranaten auf den Politiker. Eine Granate explodiert ohne Schaden anzurichten, die andere sei nicht detoniert.

Zu dem Anschlag bekannte sich eine bisher nicht in Erscheinung getretene militante Gruppe "Al Madina", hieß es weiter.

Abdullah steht unter besonderem Schutz von Elitesoldaten

Abdullah sei mit zwei Granaten beschossen worden, als er ein Regierungsgebäude in Srinagar, der Sommerhauptstadt des Bundesstaates eingeweiht habe. Eine der beiden Granaten sei nicht explodiert, die andere habe das Gebäude verfehlt und sei in einem nahe gelegenen Sumpfgebiet detoniert, verlautete aus den Kreisen. Bei der Explosion sei niemand verletzt worden.

Da bereits mehrere Anschläge auf Abdullah verübt wurden, wird er von Elite-Einheiten der Armee beschützt. Abdullah ist insbesondere bei militanten Kaschmir-Separatisten wegen seiner pro-indischen Haltung verhasst. Rund ein Dutzend militante Gruppen kämpfen in dem weitgehend moslemischen Bundesstaat gegen die indische Herrschaft.

Wieder Gefechte

Trotz aller Vermittlungsbemühungen der USA sind in Kaschmir bei neuen Gefechten zwischen Pakistan und Indien wieder drei Menschen getötet und 24 weitere verletzt worden. Wie die indische Nachrichtenagentur UNI am Samstag meldete, feuerten pakistanische Soldaten am Freitagabend auf indische Truppen und Dörfer im Grenzabschnitt Poonch. Daran habe sich ein fünfstündiger Feuerwechsel angeschlossen. Auch an mehreren anderen Grenzabschnitten sei es zum gegenseitigen Beschuss mit Mörsern und Artillerie gekommen.

Der indische Außenminister Jaswant Singh lehnte laut UNI den Einsatz ausländischer Soldaten zur Überwachung der Teilungslinie ab. Indien überlegt aber eine Verwendung von amerikanischen Sensoren zur Sicherung der Grenze gegen das Eindringen von Moslem-Extremisten aus Pakistan. In jüngster Zeit hatte sich die Situation zwischen den beiden verfeindeten Nachbarstaaten leicht entspannt. US-Präsident George W. Bush hatte jedoch gewarnt, die Kriegsgefahr bleibe bestehen, so lange beide Seiten ihre Armeen in Alarmbereitschaft hielten. (APA/dpa)

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