Finz: Kooperation mit FP auch in Wien

16. Juni 2002, 20:16
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Neuer Wiener VP-Chef wurde mit überwältigender Mehrheit gewählt

Wien - "Das muss die Latte sein: Zwischen 22 und 35 Prozent - der wirkliche Gegner in Wien ist die absolute Macht der Roten." Die eigentliche zündende Rede des neuen VP-Chefs hielt - quasi stellvertretend - Bundeskanzler Wolfgang Schüssel in der Bank Austria Halle. Zu einem Zeitpunkt, als die Stimmen längst abgegeben waren und ausgezählt wurden. Und sich zeigte: Finanzstaatssekretär Alfred Finz wurde Samstag mit Zustimmung von 93,3 Prozent der Delegierten zum neuen Wiener ÖVP-Chef gekürt.

Und das, nachdem Finz den Parteitagenden in den Gasometern von einer ungewollten Hausgeburt erzählt hatte - "das hat sich bei meinem Vater so eingeprägt, danach verzichtete er auf weitere Nachkommenschaft" - und nachdem er weit ausschweifend sogar von seinen Erinnerungen an die russische Besatzungszeit berichtet hatte.

Die VP-Funktionäre riss es auch noch nicht von den Sesseln, als der Obmannkandidat vom "wunderschönen Wien" und vom "herrlichen Stadtbild vom Belvedere" schwärmte; "das müssen wir unbedingt erhalten". Gegen den täglichen Verkehrszusammenbruch wolle er antreten, gegen die "Kostenexplosion" in Wien, gegen die schlechtesten Arbeitslosenzahlen von allen Bundesländern. Einen "Bravo"-Ruf gab es erst, als Finz meinte: "Zu den Grünen fällt mir momentan nichts ein."

Zettel erklären

Finz geht es ein wenig bescheidener an als Schüssel: "20 Prozent in Wien, das bedeutet 30 Prozent in ganz Österreich, das müssen wir schaffen." Und er erklärt der Partei auch gleich, wie das erreicht werden kann: "Zettel verteilen ist wichtig - aber viel wichtiger ist, dass wir den Menschen sagen, was auf den Zetteln draufsteht."

Gleichzeitig will der Bundespolitiker nun auch auf Wiener Ebene stärker mit der FPÖ zusammenarbeiten - etwas, was der scheidende Wiener VP-Chef Bernhard Görg stets abgelehnt hatte. So will Finz etwa gemeinsam mit der FP gegen das geplante Ausländerwahlrecht auf Bezirksebene antreten, denn "die Zusammenarbeit auf Bundesebene funktioniert schließlich auch hervorragend".

Dann gibt der Staatssekretär "drei Jas" aus: "Eines zu sich selbst, ein Ja zur ÖVP und ein Ja zu Österreich." Im Übrigen meint Finz: "Ich glaube, dass es eine Gute Idee war, Wiener Parteiobmann zu werden."

Wirklich begeisterte Standing Ovations wurden aber vorher und danach gespendet. Zuerst bei der inspirierten Abschiedsrede von Bernhard Görg, der etwa erklärte: "Die Wiener SPÖ hat doch das Wort Demut gleich schon am Tag nach der Wahl beim Zentralfriedhof begraben und am Flötzersteig verbrannt." Görg erhielt bei seinem Abtritt nach zehn Jahren an der Wiener VP-Spitze derart anhaltenden Applaus, dass er schließlich warnte: "Aufhören, sonst überleg' ich mir's noch einmal."

"Stark, schwarz, sozial"

Und danach noch einmal bei den einfachen, eingängigen Ansagen von Bundesparteichef Wolfgang Schüssel, für den Finz nun in erster Linie den nächsten Nationalratswahlkampf auf Wiener Ebene vorbereiten soll: "Stark, schwarz, sozial - das muss das Markenzeichen der Wiener ÖVP sein." Seit Samstag wissen die Wiener Funktionäre mit letzter Gewissheit von Schüssel: "Ich werde auf meine Heimatstadt schau'n." (DER STANDARD, Print, 17.6.2002)

Roman Freihsl
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