Premiere bei Bundesliga-Verhandlungen unter Zeitdruck

14. Juni 2002, 21:25
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Finanzspritze von 100 Mill. Euro soll Betrieb bis September sicherstellen

Der von der Insolvenz bedrohte Kirch-PayTV-Sender Premiere drängt nach Angaben aus Unternehmenskreisen auf eine schnelle Einigung über die Übertragungsrechte der Fußball-Bundesliga, um sich eine Finanzspritze der Gläubigerbanken zu sichern. "Man will eine Entscheidung bis Anfang nächster Woche", hieß es am Freitag in den Kreisen.

Die Vorstände der Gläubigerbanken Bayerische Landesbank und HypoVereinsbank hatten einer Finanzspritze für Premiere von rund 100 Mill. Euro unter der Bedingung zugestimmt, dass der Sender den Zuschlag für die PayTV-Rechte an der Bundesliga erhält und auch in den Verhandlungen mit US-Filmstudios über Preisnachlässe Erfolge aufweisen kann. Nach einem Bericht der "Süddeuschen Zeitung" fordert die Bayerische Landesbank eine Erfüllung der Auflagen bis Montag. Ein Sprecher des halbstaatlichen Instituts lehnte einen Kommentar dazu ab.

Überbrückung

Premiere-Chef Georg Kofler kämpft seit der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchPayTV Anfang Mai um das Überleben des defizitären Senders. Die Finanzspritze soll die Fortführung der Geschäfte in den nächsten Monaten ermöglichen, in denen Premiere einen neuen Investor suchen will. Die 100 Mill. Euro würden den Geschäftsbetrieb von Premiere bis September sicherstellen, sagte der vorläufige Insolvenzverwalter von KirchPayTV, Joseph Füchsl, dem "Handelsblatt." Nun solle eine international erfahrene Investmentbank mit der Investorensuche beauftragt werden, berichtete die Zeitung weiter.

Premiere-Vorstellungen im Gepäck

Premiere müsse die PayTV-Rechte an der Bundesliga nicht unbedingt direkt von dem Ligaverband DFL erwerben, sondern könne sie auch von der insolventen Partner-Gesellschaft KirchMedia kaufen, die ihrerseits an den Rechten für das werbefinanzierte Fernsehen interessiert ist, hieß es in den Unternehmenskreisen weiter. Daher hätten am Freitag die KirchMedia-Geschäftsführer Heinz-Joachim Ziems und Alexander Liegl mit der DFL verhandelt. "Die haben die Premiere-Vorstellungen im Gepäck", hieß es. Premiere biete 140 bis 150 Mill. Euro für die PayTV-Rechte je Spielzeit. Ergebnisse der Gespräche seien noch nicht bekannt.

Der Medienunternehmer Herbert Kloiber habe ebenfalls ein Angebot für die PayTV-Rechte vorgelegt. Wenn dieser den Zuschlag erhalte, werde sich Premiere eben bei Kloiber um die Rechte bemühen, hieß es in den Kreisen. "Wir sind die einzigen, die überhaupt technisch in der Lage sind, alle Spiele der Bundesliga gleichzeitig live zu zeigen." Kloiber hatte im vergangenen Jahr die Gründung eines Bezahlfernsehsenders angekündigt, die Pläne dann aber wieder auf Eis gelegt.

Zeitdruck

Auch die DFL steht unter Zeitdruck. Die Fußballvereine warten auf die Gelder, die vor dem Start der neuen Saison zum Beispiel für Spieler-Transfers fließen müssen. Die DFL-Geschäftsführung will am Dienstag dem Aufsichtsrat und am Mittwoch auf einer Gesellschafterversammlung den Vereinen möglichst schon ein Ergebnis der Verhandlungen über die TV-Übertragungsrechte präsentieren.

Bisher hatte die DFL die TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga für die nächsten beiden Spielzeiten an KirchMedia und KirchPayTV vergeben. Diese können die vereinbarten Preise (360 Mill. Euro für die Saison 2002/03, 460 Mill. für 2003/04) aber nicht mehr aufbringen. Die letzte Rate über 80 Mill. Euro für die Übertragung der vergangenen Saison hatte KirchMedia schon nicht mehr gezahlt. Vor allem Vereine der Zweiten Bundesliga sind auf die Fernseh-Gelder jedoch dringend angewiesen, da ihnen sonst die Pleite droht. (APA/Reuters)

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