"Auf den Mann am Klavier schießt man nicht"

14. Juni 2002, 21:02
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VP-Klubobmann Khol rügt Westenthaler

Wien - Die Attacken von FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler auf Nationalratspräsident Heinz Fischer (SPÖ) wegen angeblich parteilicher Vorsitzführung werden von der ÖVP nun klar zurückgewiesen: "Es gibt eine unausgesprochene Regel: Auf den Mann am Klavier schießt man nicht", sagt ÖVP-Klubchef Andreas Khol in einem Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten". "Und auf Präsident Fischer, der einerseits sehr stark SPÖ-Politiker, andererseits aber ein wirklich hervorragender Präsident ist, würde ich nie losgehen." Ob das als Tipp an Westenthaler zu werten sei? "Ich habe ihm nichts zu raten", sagt Khol. "Er ist auch nicht mein Ziehsohn."

Auf die Frage, ob die ÖVP Fischer noch einmal zum Nationalratspräsidenten wählen würde, sagt Khol: "Bisher hat er immer gesagt, er kandidiert nicht mehr. Er hat ja schon ein Alter erreicht (63 Jahre, Anm.), wo ihm die Republik für jeden Arbeitsmonat dankbar sein muss." Wäre er persönlich (bald 61 Jahre, Anm.) im Falle einer Neuauflage von Schwarz-Blau gerne noch einmal Klubobmann? "Ja, für die volle Periode", so die Antwort. "Weil ich würde dann das gesetzliche Pensionsalter um ein Jahr überschreiten. Und ich will auch, dass mir die Republik dankbar ist." Ob sein Gegenüber dann noch immer Peter Westenthaler heißen wird? Khol: "Ich hoffe es. Ich respektiere an Westenthaler die Gabe der scharfen Analyse, das heiße Herz des Engagements, die sehr ausgebildete Rhetorik und die Handschlagqualität."

"Man kann nie zufrieden sein"

Dass Westenthaler bei ihm, Khol, diese Handschlagqualität zuletzt vermisst habe, schmerze ihn sehr, betont der ÖVP-Klubchef. Dass es bei dem Zerwürfnis um Postenbesetzungen im ORF gegangen sei, will er nicht bestätigen. Westenthalers Vorwurf, der ORF sei ein "Schwarzfunk", könne er nicht nachvollziehen. Ist er zufrieden mit der Berichterstattung? Khol: "Man kann nie zufrieden sein. Außerdem gäbe es nichts Schlimmeres für den ORF, als wenn ein Schwarzer wie ich sagen würde, er ist mit ihm zufrieden."

Dass die FPÖ eine Vorverlegung der Nationalratswahl verlangen könnte, glaubt Khol nicht: "Man wählt in einen sich akzentuierenden Wirtschaftsaufschwung hinein, und das ist im September 2003. Alle Logik, Taktik, Strategie spricht für diesen Termin." Werde die ÖVP mit einer Koalitionsansage in diese Wahl gehen? "Nein, das wäre eine Beleidigung der Vernunft der Wähler", antwortet Khol. "Der Wahlausgang wird die Koalition bestimmen. Aber ich sage ganz offen: Ich persönlich bin sehr an dieses Wende-Experiment gebunden. Ich glaube, dass wir die Neuorientierung Österreichs zu einer Wettbewerbsgesellschaft, eine nachhaltige Absicherung des Sozialstaates und eine echte Wenderepublik nur mit der FPÖ zusammenbringen. Aber das sind meine persönlichen kleinen Vorlieben." (APA)

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