VP-Klubobmann Khol rügt Westenthaler
Wien - Die Attacken von FPÖ-Klubobmann Peter Westenthaler
auf Nationalratspräsident Heinz Fischer (SPÖ) wegen angeblich
parteilicher Vorsitzführung werden von der ÖVP nun klar
zurückgewiesen: "Es gibt eine unausgesprochene Regel: Auf den Mann am
Klavier schießt man nicht", sagt ÖVP-Klubchef Andreas Khol in einem
Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten". "Und auf
Präsident Fischer, der einerseits sehr stark SPÖ-Politiker,
andererseits aber ein wirklich hervorragender Präsident ist, würde
ich nie losgehen." Ob das als Tipp an Westenthaler zu werten sei?
"Ich habe ihm nichts zu raten", sagt Khol. "Er ist auch nicht mein
Ziehsohn."
Auf die Frage, ob die ÖVP Fischer noch einmal zum
Nationalratspräsidenten wählen würde, sagt Khol: "Bisher hat er immer
gesagt, er kandidiert nicht mehr. Er hat ja schon ein Alter erreicht
(63 Jahre, Anm.), wo ihm die Republik für jeden Arbeitsmonat dankbar
sein muss." Wäre er persönlich (bald 61 Jahre, Anm.) im Falle einer
Neuauflage von Schwarz-Blau gerne noch einmal Klubobmann? "Ja, für
die volle Periode", so die Antwort. "Weil ich würde dann das
gesetzliche Pensionsalter um ein Jahr überschreiten. Und ich will
auch, dass mir die Republik dankbar ist." Ob sein Gegenüber dann noch
immer Peter Westenthaler heißen wird? Khol: "Ich hoffe es. Ich
respektiere an Westenthaler die Gabe der scharfen Analyse, das heiße
Herz des Engagements, die sehr ausgebildete Rhetorik und die
Handschlagqualität."
"Man kann nie zufrieden sein"
Dass Westenthaler bei ihm, Khol, diese Handschlagqualität zuletzt
vermisst habe, schmerze ihn sehr, betont der ÖVP-Klubchef. Dass es
bei dem Zerwürfnis um Postenbesetzungen im ORF gegangen sei, will er
nicht bestätigen. Westenthalers Vorwurf, der ORF sei ein
"Schwarzfunk", könne er nicht nachvollziehen. Ist er zufrieden mit
der Berichterstattung? Khol: "Man kann nie zufrieden sein. Außerdem
gäbe es nichts Schlimmeres für den ORF, als wenn ein Schwarzer wie
ich sagen würde, er ist mit ihm zufrieden."
Dass die FPÖ eine Vorverlegung der Nationalratswahl verlangen
könnte, glaubt Khol nicht: "Man wählt in einen sich akzentuierenden
Wirtschaftsaufschwung hinein, und das ist im September 2003. Alle
Logik, Taktik, Strategie spricht für diesen Termin." Werde die ÖVP
mit einer Koalitionsansage in diese Wahl gehen? "Nein, das wäre eine
Beleidigung der Vernunft der Wähler", antwortet Khol. "Der
Wahlausgang wird die Koalition bestimmen. Aber ich sage ganz offen:
Ich persönlich bin sehr an dieses Wende-Experiment gebunden. Ich
glaube, dass wir die Neuorientierung Österreichs zu einer
Wettbewerbsgesellschaft, eine nachhaltige Absicherung des
Sozialstaates und eine echte Wenderepublik nur mit der FPÖ
zusammenbringen. Aber das sind meine persönlichen kleinen Vorlieben." (APA)