"Terrorismus kennt keine Nationalität und keine Religion"

14. Juni 2002, 21:49
1 Posting

Für den Generalsekretärs der Arabischen Liga sind Gründe des Terrorismus zum Großteil mit Palästinafrage verbunden

Linz - Nach den Worten des Generalsekretärs der Arabischen Liga, Amr Mussa, bedeutet seine Teilnahme an der internationalen Konferenz für Sicherheit und den Kampf gegen Terrorismus nicht, dass die Arabische Liga und die NATO nun Schulter an Schulter gegen den Terrorismus kämpften. Alle Teilnehmer diskutierten gemeinsam, er habe aber andere Ansichten als NATO-Generalsekretär Robertson, sagte Amr Mussa in einem Exklusivinterview mit den "Oberösterreichischen Nachrichten. "Es gibt mehr als einen Zugang zum Problem des internationalen Terrorismus".

Amr Mussa äupßerte seine Überzeugung, was immer man unternehme, wenn man nicht den Ursachen der Frustrationen und der Wut der Menschen auf den Grund gehe, werde man den internationalen Terrorismus nicht besiegen. Es genüge nicht, einseitig den Terrorismus zu bekämpfen. Für die Afrikaner habe der Kampf gegen Armut, Seuchen und den sozialen Zusammenbruch Vorrang, nicht der Kampf gegen den Terrorismus. Asien habe wieder andere Probleme, Lateinamerika mit seinen Drogenkartellen und Bruderkriegen. "Aber wir alle stimmen überein, dass der internationale Terrorismus eines der Übel ist, die wir bekämpfen müssen, aber nicht den Terror allein".

Kritik an den USA

Mussa nannte die militärische Besetzung durch Israel genau so ein Übel wie der internationale Terrorismus oder der Drogenhandel. Den USA warf er vor, die arabische und die islamische Welt als Zentren des Terrorismus anzusehen. Doch Terrorismus habe keine Nationalität und keine Religion, wie Baader-Meinhof, die Roten Brigaden oder Nordirland und Serbien gezeigt hätten, einige dieser Terrorakte hätten sich in demokratisch regierten Ländern ereignet.

Nahostkonferenz zu baldigem Zeitpunkt "nicht sinnvoll"

Die Gründe für die Gewalt in der islamischen und der arabischen Welt sind Mussa zufolge zu einem großen Teil, aber nicht ausschließlich, mit der palästinensischen Frage verbunden. Bewerten wolle er die neue Nahost-Strategie der USA mit ihrem Plan eines provisorischen Staates für die Palästinenser erst nach der erwarteten Rede von US-Präsident Bush. Eine Nahostkonferenz zu einem möglichst frühen Zeitpunkt hielt Mussa angesichts der Ereignisse im Nahen Osten für nicht sinnvoll und realistisch. "Es macht wenig Sinn, einen Prozess zu zu starten, wenn es dafür keine solide Basis gibt. Wozu so schnell wie möglich eine Konferenz starten, wenn die israelische Armee noch immer in den palästinensischen Städten steht und die Israelis noch immer Siedlungen bauen. Das ist unrealistisch".

Den von Israel geplanten Zaun als Teilungslinie zwischen Israel und den Palästinensern verglich Amr Mussa mit der Berliner Mauer unter der Ära Chruschtschow, was auch zu nichts geführt habe. Die Entscheidungen auf palästinensischer Seite würden von Yasser Arafat getroffen, ob dies den Israelis gefalle oder nicht. Ob Arafat von seinem Volk unerstützt oder abgelehnt werde, sei Sache des palästinensischen Volkes, meinte der Generalsekretär unter Anspielung auf Sharons Ablehnung von Verhandlungen mit Arafat. (APA)

Share if you care.