TV-Journalist Enzo Biagi startet Offensive gegen RAI

14. Juni 2002, 20:26
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Seine Sendung "Il Fatto" soll aus politischen Gründen auf spätere Sendezeit verlegt werden

Der Doyen der italienischen TV-Journalisten, Enzo Biagi, startet eine Offensive gegen den Staatssender RAI, der seiner Ansicht nach seine Sendung aus politischen Gründen auf eine spätere Sendezeit verlegen will. Der 82-jährigen Starjournalist präsentiert jeden Abend auf dem größten Sender RAI 1 die Sendung "Il Fatto" (Das Ereignis), die sich nach den Nachrichten mit aktuellen politischen Vorgängen befasst. Wegen der regierungskritischen Linie der Sendung ist Biagi ins Visier des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi geraten, der vor einigen Wochen die Entlassung des Journalisten gefordert hatte.

"Nicht konkurrenzfähig"

Der neue RAI-Präsident, Antonio Baldassarre, bekundete, dass er die Sendung ab September später am Abend senden will. Das Programm Biagis sei im Vergleich zu anderen Sendungen nicht konkurrenzfähig. Im scharfen Kampf um die Einschaltquoten sei eine Verlegung des Programms notwendig.

Einschaltquoten

Biagi wehrt sich gegen dieses Vorhaben heftig. Sein Programm kommentiere ein aktuelles Ereignis und sei an die Nachrichten eng gebunden. Der Journalist gibt sich nicht geschlagen: In einem Bericht an die parlamentarische Kommission, die für die RAI zuständig ist, betonte der Starjournalist, dass sein Programm kostenmäßig billig und sehr beliebt sei. Er führte die Daten über die Einschaltquoten vor, demnach seine Sendung das erfolgreichste Programm in der Sendezeit zwischen 20.30 und 21 Uhr sei.

"Mediale Diktatur"

Seit Wochen ist eine scharfe Polemik um die Polit-Programme des Staatssenders RAI im Gange. Berlusconi hatte Biagi, dessen Kollegen Santoro und den Komiker Daniele Luttazzi wegen ihrer regierungskritischen Haltung angeprangert, die er als skandalös bezeichnet hatte, und ihre Entlassung gefordert. Dies hatte die Entrüstung der italienischen Linke ausgelöst, die die Italiener vor der "medialen Diktatur" des Ministerpräsidenten warnt. Berlusconi besitze nicht nur die private TV-Gruppe Mediaset, sondern habe die Führungsposten der RAI mit Vertrauensmännern besetzt, wird seitens der Linke argumentiert. (APA)

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