Bis zu 15.000 Mumien in Oasen-Nekropole

15. Juni 2002, 10:00
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Für Touristen ist das "Tal der goldenen Mumien" allerdings noch nicht zugänglich

Das "Tal der goldenen Mumien" in der Oase Bahariya, 370 Kilometer südöstlich von Kairo, macht seinem Namen alle Ehre. Mehr als 230 Mumien, mehrere von ihnen geschützt von Masken oder Sarkophagen aus Gold, sind seit 1996 gefunden worden.

Es ist die größte intakte Nekropole, die in Ägypten entdeckt wurde. Sie stammt aus der Zeit der Ptolemäer- und Römerherrschaft (300 v. Chr. bis 180 n. Chr.) und liegt unweit eines Tempels, der für Alexander den Großen gebaut wurde. Bahariya lag in jener Zeit an einer wichtigen Karawanenroute.

Bis zu 15.000 Mumien - in ganz unterschiedlichem Konservierungsstand - könnten auf dem riesigen Friedhof bestattet sein, vermuten Forscher. Es seien die schönsten Mumien aus römischer Zeit, die je in Ägypten gefunden worden sind, befand der neue Generalsekretär der Antikenverwaltung Zahi Hawass. Für Touristen ist das "Tal der goldenen Mumien" allerdings noch nicht zugänglich.

Vor wenigen Wochen machten Archäologen acht Kilometer nördlich des Plateaus von Gizeh einen unerwarteten Fund: In den Nähe der Pyramide von Djedefre, der zwischen 2524-2516 v. Chr. regierte, stießen sie auf eine gut erhaltene Kalksteinstruktur in der Form einer Mastaba, eines rechteckigen Grabbaues.

Ob die 110. Pyramide wirklich die Grabstätte für eine Königin oder Prinzessin war oder eine so genannte Satelliten-Pyramide als symbolische Kammer für den Djedefre-Kult, ist unter den Ägyptologen noch umstritten. Hawass hat sich gegenüber der Wochenzeitung al-Ahram Weekly für die These der Grabstätte eines Mitgliedes der Djedefre-Familie ausgesprochen.

Neue Prioritäten

Mit dem neuen Generalsekretär der Antikenverwaltung ist auch eine klare Änderung der bisherigen Politik verbunden. "Wir brauchen keine neuen Ausgrabungen, sondern die Überholung und Renovation bestehender Projekte. Jene, die neue Grabungen in Angriff nehmen wollen, sollen in die Provinzen des Nildeltas gehen, die trotz ihres archäologischen Reichtums lange vernachlässigt worden sind", erklärte Hawass bei der Amtsübernahme.

Vor allem gefährdete Monumente, zum Beispiel das Grab von Tutenchamun, das täglich von 5000 Besuchern besichtigt wird, müssen besser konserviert werden. Hawass kündigte zudem an, dass er in Zukunft strikte Maßstäbe an die rund 200 ausländischen archäologischen Missionen anlegen werde, die in Ägypten arbeiten.

Sie müssen eine anerkannte internationale Institution oder Universität vertreten und dürfen nur an einem Platz arbeiten. Darüber hinaus müssen sie alle drei Monate über ihre Aktivitäten Bericht erstatten. Hawass bestimmt in der Regel auch, wann und in welcher Form über Entdeckungen berichtet werden darf. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15./16. 6. 2002)

Von Astrid Frevel aus Kairo
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